Löschnig, Josef (1872-1949), Obst-, Wein-, und Gartenbaufachmann

Löschnig Josef, Obst-, Wein- und Gartenbaufachmann. * Altendorf b. St. Johann am Draufelde (Starša, Unterstmk.), 18. 3. 1872; † Wien, 24. 10. 1949. Absolv. die Landesackerbauschule Grottenhof bei Graz und war nach Stud. als ao. Hörer an der Hochschule für Bodenkultur Wirtschaftsadjunkt auf steir. Gütern. 1894 wurde er als Fach- und Wanderlehrer der Wein- und Obstbauschule in Marburg zugeteilt, ab 1898 Fachlehrer an der Landes-Wein- und Obstbauschule Krems. 1904 provisor., 1905 definitiver Landesobstbauinspektor. Ab 1918 arbeitete er auch als Konsulent für Obst- und Gemüsebau im damaligen Ackerbaumin. 1921 wurde er Vorreferent für Obstbau, 1922, nach Gründung der niederösterr. Landwirtschaftskammer, Dir. des Wein-, Obst- und Gartenbaureferates. 1923 Regierungsrat, 1925 Hofrat, 1938 i.R. L. erwarb sich große Verdienste um den Wiederaufbau des nach dem Ersten Weltkrieg fast restlos zerstörten österr. Weinbaues. Seine bedeutenden Förderungsmaßnahmen im Obstbau erstreckten sich nicht nur auf die Errichtung neuer Baumschulen und auf die Anlage von Musterobstgärten, sondern auch auf die Obstverwertung. Er gründete eine Obstverwertungsges. in Münchendorf, deren Betrieb er jahrelang selbst leitete. Auch dem Ausstellungswesen, besonders den land- und forstwirtschaftlichen Musterschauen auf der Wr. Messe, widmete er sich mit großem Erfolg. Er war langjähriger Geschäftsführer der Obstbau- und Pomologenges., Präs. des Landesobstbauver. für N. Ö. und Gründungsmitgl. des niederösterr. Gartenbauver. 1903 begründete er die Z. „Der Obstzüchter“, die er bis 1918 herausgab, 1918–22 gab er dann diese Z. in Zusammenarbeit mit der österr. Gartenbauges. unter dem Titel „Zeitschrift für Garten- und Obstbau“ heraus. 1922–38 war L. Hauptschriftleiter des Organs der niederösterr. Landwirtschaftskammer „Die Landwirtschaft“. Durch seine zahlreichen, weitverbreiteten Bücher und wegen seiner prakt. Kenntnisse — er zählte zu den besten Obstsortenkennern (mehrere Obstsorten tragen seinen Namen) — genoß er im In- und Ausland großes Ansehen. L., dem zu Ehren 1932 die Löschnig-Stiftung gegründet wurde, deren Erträgnisse zur Unterstützung des stud. fachlichen Nachwuchses dienten, wird mit Recht der Altmeister des österr. Obstbaues genannt.

W.: Prakt. Anleitung zum rationellen Betriebe des Obstbaues, 1901, 7. Aufl. 1946; Die Obstweinbereitung, 1911; Die Wühlmaus, ihre Lebensweise und Bekämpfung, 1912; Die Fruchtbranntweine und ihre Bereitung, in: Scholle-Bücherei, Bd. 118, 1923, 3. Aufl. 1946; Obstbau-Ertragsbuch, eine Buchführung samt Anleitung für Obstgartenbesitzer, ebenda, Bd. 125, 1924; Anleitung zur Herstellung und Behandlung der Obstweine, ebenda, Bd. 119, 1924, 6. Aufl. 1947; Pflanzung und Pflege der Obstbäume und Beerensträucher. Prakt. Anleitung zur Durchführung der wichtigsten Arbeiten im Obstbau, ebenda, Bd. 113, 15. Aufl. 1948; Frostschäden und Frostschutz in der Landwirtschaft mit besonderer Berücksichtigung des Weinbaues, 1928; Das Verjüngen und Umpfropfen älterer Obstbäume, in: Obstbau-Bücherei, Bd. 1, 1929; Drahtrahmenkultur. Eine wichtige arbeitswirtschaftliche Maßnahme im Weinbau, 1931; Die Bewertung der Obstgehölze, 1947; Obsternte trotz Spätfrost bei guten Frostschutzmaßnahmen, in: Scholle-Bücherei, Bd. 112, 1947; Verbesserung der Obstsorten, Bastarde, Mutationen, Zwillingsfrüchte, Chimären, Xenien, Luther Burbanks und J. W. Mitschurins Erkenntnisse, ebenda, Bd. 187, 1948; Krankheiten und Schädlinge im Obstbau und ihre Bekämpfung, gem. mit L. Fulmek, in: Scholle-Bücherei, Bd. 110, 6. Aufl. 1948; Die Marille (Aprikose) und ihre Kultur, gem. mit F. Passecker, 1954; etc.
L.: Kleines Volksbl. vom 25., Die Presse vom 26. 10. 1949; Die Scholle, Jg. 11, 1949, S. 267 f.; Die Gartenbauwirtschaft, 1949, H. 18, S. 4; F. Moißl, J. L., dem Meister des Obst-, Wein- und Gartenbaues zum 60. Geburtstag, 1932; SBL 1; Heimatbuch des polit. Bez. Korneuburg, Tl. 2, 1961; Gedenkschrift des Landes-Obstbauver. für N. Ö. anläßlich seines 50jährigen Bestandes, 1930.
(Ehrendorfer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 280f.
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