Löwe, Ferdinand (1865-1925), Musiker

Löwe Ferdinand, Musiker. * Wien, 19. 2. 1865; † Wien, 6. 1. 1925. Nachdem er zunächst in einer Privatmusikschule stud. hatte und bereits als Neunjähriger öff. aufgetreten war, kam er an das Konservatorium der Ges. der Musikfreunde, wo er bei J. Dachs (s. d.) Klavier, F. Krenn (s. d.) Komposition und A. Brucker (s. d.) Musiktheorie stud. 1884 wurde er an dieser Anstalt, wo er schon vorher als Supplent tätig gewesen war, als Nebenfach-, 1886 als ordentlicher Lehrer angestellt und leitete hier 1894–97 auch den Chorgesang. 1897 ging er als Dirigent des Kaim-Orchesters nach München, hielt jedoch Bindungen zu Wien als Leiter der Wr. Singakad. (1896–98) und als Hofopernkapellmeister (1898) aufrecht. 1900 kehrte er ganz nach Wien zurück und übernahm die Leitung der Ges.-Konzerte der Ges. der Musikfreunde sowie jene des von ihm mitbegründeten Wr. Konzertver. (der heutigen Wr. Symphoniker), die er bis 1924 behielt. Daneben dirigierte er 1908–14 auch das Münchner Konzertver.-Orchester (Nachfolger des Kaim-Orchesters) und wirkte verschiedentlich als Gastdirigent. 1919 wurde er zum Dir. der Staatsakad. für Musik und Darstellende Kunst gewählt. 1922 resignierte er aus Gesundheitsrücksichten, die ihn auch in den letzten Jahren in seiner Dirigententätigkeit stark behinderten. L.s Name ist — neben dem der Brüder Schalk — untrennbar mit dem Bruckners verbunden, für dessen Lebenswerk er sich unermüdlich und energ. einsetzte. Ab 1883 veranstaltete er mit F. Schalk zwei- und vierhändige Klavieraufführungen der Symphonien Bruckners (er gab auch einige Klavierauszüge heraus), ab 1892 wirkte er auch als Dirigent in dieser Richtung. Er leitete 1903 die Uraufführung der IX. Symphonie und leitete repräsentative einzelne und zykl. Bruckner-Aufführungen. In seinem Bemühen um die Popularisierung dieser Werke ging er allerdings bis zu eigenmächtigen Abänderungen bzw. veranlaßte er den solchen Vorschlägen zugänglichen Komponisten dazu. Bruckner nannte ihn wegen seiner Instrumentationskorrekturen „mei Berlioz“.

W.: Hrsg.: A. Bruckner, 9. Symphonie (Partitur), 1903; ders., 1., 3., 4. und 9. Symphonie und Te Deum (2- und 4 händige Klavierauszüge).
L.: Die Musik in Geschichte und Gegenwart; Frank–Altmann; Riemann; Wer ist’s? 1909–22; Wininger; Österr.-Lex., hrsg. von F. Bamberger und F. Maier-Bruck, Bd. 2, 1967; R. Lach, Geschichte der Staatsakad. für Musik und Darstellende Kunst in Wien, 1927; A. Göllerich – M. Auer, A. Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild, 4 Bde., 1922–37; A. Bruckner – Wiss. und künstler. Betrachtungen zu den Originalfassungen, 1937.
(Antonicek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 287
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