Löwenthal, Jakob (1807-1882), Schriftsteller und Journalist

Löwenthal Jakob, Schriftsteller und Journalist. * Lissa (Leszno, Posen), 24. 12. 1807; † Wien, 15. 5. 1882. Sohn eines kgl. Lotterieeinnehmers, der ihm eine gute Erziehung angedeihen ließ. L. beschäftigte sich mit alten und modernen Sprachen, erteilte Sprachunterricht und leitete nach einer Hofmeisterstelle in Kalisch eine Knaben- und Töchterschule in Lissa, wo er 5 Jahre blieb. Dann bekleidete er Hofmeisterstellen in Krakau und Triest. In den dreißiger Jahren begann er zuerst anonym und nach ersten Erfolgen unter seinem Namen mit literar. (Erzählungen, Skizzen, Gedichten etc.) und wiss. Beitrr. für verschiedene Z. hervorzutreten, so für Bäuerles „Theater-Zeitung“, den „Österreichischen Zuschauer“, das „Österreichische Morgenblatt“, den „Telegraph“ sowie später für Saphirs „Humorist“ und eine Reihe Prager, Laibacher, Breslauer, Stuttgarter und — auf Grund seiner guten italien. Sprachkenntnisse — vor allem italien. Journale. 1838 gründete er in Triest, wo er sich ab 1834 aufhielt (vielleicht in Opposition zur italienischsprachigen „Favilla“), die 14 tägig erscheinende Z. „Adria, Süddeutsches Zentralblatt für Kunst, Literatur und Leben“, ein interessantes Experiment mit einem neuen Typ von Z., die zu den lokalen Notizen und Chroniken vor allem künstler. Natur, alternierend Erzählungen und Gedichte erstmalig veröff., allerdings aber nach einem Jahr, als L. Mitred. des „Journal des österreichischen Lloyd“ wurde, eingestellt werden mußte. L. beschäftigte sich ausführlich mit Nationalökonomie und Statistik und schrieb auch einige umfassende Abhh., vor allem über den See- und Getreidehandel. Durch die Verlegung der Redaktion des „Lloyd“, an dessen Aus- und Umgestaltung L. — zeitweilig auch als alleiniger verantwortlicher Red. — mitbeteiligt war, kam er 1848 für einige Jahre nach Wien, kehrte aber 1851 wieder nach Triest zurück und übernahm mit F. E. Pipitz Organisation und Leitung der neugegründeten täglich erscheinenden „Triester Zeitung“. 1853–56 gab er mit Pipitz auch die „Österreichische Marine-Zeitschrift“ heraus. 1858 wieder in Wien, übernahmer die Red. der offiziösen „Österreichischen Zeitung“ (eines Nachfolgebl. des „Lloyd“), die 1863 in sein Eigentum überging und 1862–66 unter dem Titel „Constitutionelle österreichische Zeitung“ auf der polit. Linie Schmerlings weitergeführt wurde. L. gründete auch eine Druckerei, red. verschiedene Fachbll., so zeitweilig den „Volkswirt“ und die „Österreichische Versicherungszeitung“, 1868–72 „Warren’s Wochenschrift für Politik und Volkswirtschaft“ und nach Differenzen mit den Warrenschen Erbverwaltern 1872 die „Neue Wochenschrift für Politik und Volkswirtschaft“. Er verfaßte nationalökonom., kulturhist. und hist. Schriften, Darstellungen der österr. Küstengebiete, die seine Vielseitigkeit zeigen und von denen vor allem seine „Geschichte der Stadt Triest“ bedeutend ist. Er war eines der Gründungsmitgl. der „Concordia“.

W.: Der Istrianer Kreis oder die Halbinsel Istrien und die Inseln des Quarnero, 1840; Schach-Problem-Turnierbuch, 1857; Geschichte der Stadt Triest, 2 Bde., 1857–59; Culturgeschichtliche Beitrr., 1871; Die Leistungen der Statistik und allg. Bildungsmittel, 1873; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 17. und 21. 5. 1882; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, 4, s. Reg.; Wininger; Wurzbach, J. Stern — S. Ehrlich, Journalisten- und Schriftsteller-Ver. Concordia 1859–1909. Festschrift, 1909, S. 48; C. Pagnini, I giornali di Trieste dalle origini al 1959, 1960, S. 77 ff., 111 ff., 151, 175; K. Paupié, Hdb. der österr. Pressegeschichte 1848–1959, Bd. 2, 1966, S. 94 f.
(Lebensaft–Negrelli)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 292f.
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