Löwenthal, Max Frh. von; Ps. Leo Walthen (1799-1872), Postfachmann und Schriftsteller

Löwenthal Max Frh. von, Ps. Leo Walthen, Postfachmann und Schriftsteller. * Wien, 7. 4. 1799; † Wien, 12. 7. 1872. Vetter des Vorigen; nach Jusstud. in Wien und ausgedehnten Reisen durch Europa trat er 1823 als Konzeptspraktikant in die k. k. Hof- und niederösterr. Kammerprokuratur in Wien ein. 1825 wurde er Konzeptspraktikant in der Allg. Hofkammer, wo er ab 1830 als Hofkonzipist und ab 1835 im Postdepartement tätig war; 1842 Rat und Adjunkt der Obersten Hofpostverwaltung. 1849 wurde L. zum Sektionsrat im neu errichteten Handelsmin. ernannt, 1857 zum Min.-Rat. 1866 wurde eine eigene Abt. für Post und Telegraphenangelegenheiten innerhalb des Min. für Handel und Volkswirtschaft geschaffen und L. zum Leiter derselben mit dem Titel eines Gen.-Dir. ernannt. L.s berufliche Tätigkeit richtete sich vor allem auf die Entwicklung und Vervollkommnung des österr. Post- und Telegraphenwesens. Als Vertreter der Regierung vereinbarte er die Postverträge mit Rußland (St. Petersburg 1843), mit der Schweiz (Lindau 1852) und mit Frankreich (Paris 1852, 1857). Er war Vertreter Österr. bei zahlreichen Konferenzen des Dt.-Österr. Postver. (1851 Berlin, 1855 Wien, 1857 München, 1860 Frankfurt a. M.) und des Dt.-Österr. Telegraphenver. (1853 Berlin, 1855 Wien, 1857 Stuttgart, 1861 Den Haag). Bereits 1851 forderte er in Berlin die Einberufung eines allg. europ. Postkongresses zur Schaffung einheitlicher Bedingungen für einen Weltkorrespondenzverkehr. Er fungierte 1863 als Vertreter Österr. in Paris bei der ersten internationalen Postkonferenz, die als Vorläufer für den „Allgemeinen Postverein“ (Bern 1874) bzw. den „Weltpostverein“ (Paris 1878) anzusehen ist. L. hatte schon in seiner Jugend Neigung zur Literatur. Sein themat. und inhaltlich an klass. und romant. Vorbilder sich anlehnendes literar. Schaffen ist nur formal in z. T. gut gereimten Versen als selbständig anzuerkennen. L.s echte Anteilnahme an Werten des Geisteslebens bewährte sich in zeitkrit. Aussagen, in denen er die allg. Abwendung von idealer Geistesbildung und hoher Persönlichkeitskultur angriff. Gem. mit seiner Frau, Sophie Freifrau v. L. (s. d.), führte er einen literar. Salon in Wien, in dem auch Lenau (s. Niembsch), mit dem ihn treue Freundschaft verband, häufig verkehrte. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, 1863 nob., 1867 i. R., 1868 Frh.

W.: Skizzen aus dem Tagebuch einer Reise durch Frankreich, Großbritannien und Deutschland, 2 Bde., 1825; Der Cid (Versdichtung), 1831; Dramat. und Lyr. (Smlg.), 1835; Gedichte, 1871; etc. Dramen: Die Caledonier, 1826; Vater und Richter, 1838; Die beiden Schauspieler, 1838; Anna Lovell, 1841.
L.: Österr. Rundschau, Bd. 22, 1910, S. 384 f.; E. Castle, Lenau und die Familie L., 2 Bde., 1906; F. Brümmer, Lex. der dt. Dichter und Prosaisten von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 18. Jh., in: Universal-Bibl. 1941/45, 1884; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 2, S. 786; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; Gräffer–Czikann; E. Popp – K. Lukner, 100 Jahre Generaldion. für die Post- und Telegraphenverwaltung, 1966; Mitt. des Bundesmin. für Verkehr und verstaatlichte Betriebe, Wien.
(Böck–Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 293f.
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