Lorber, Jakob (1800-1864), Schriftsteller, Musiker und Komponist

Lorber Jakob, Schriftsteller, Musiker und Komponist. * Kanischa b. Jahring (Kaniža pri Jarenini, Unterstmk.), 22. 7. 1800; † Graz, 24. 8. 1864. Außergewöhnlich musikal., erhielt er von seinem Vater u. a. vor allem Geigenunterricht. Ab 1817 lebte L. in Marburg, wo er sich für den Beruf als Volksschullehrer vorbereitete. Er war dann einige Zeit Lehrer, wirkte ab 1829 in Graz als Hauslehrer und absolv. einen pädagog. Kurs zur Ausbildung als Hauptlehrer. Nachdem L.s Bewerbung um eine Anstellung als Lehrer 1830 ohne Erfolg geblieben war, wendete er sich ganz der Musik zu. Gefördert von A. Hüttenbrenner (s. d.), trat er als Konzertgeiger und Solist auf, der seinen Stil größtenteils autodidakt. an Paganini geschult hatte. Außer seiner musikal. Tätigkeit pflegte L. noch vielfältige private, besonders literar. und astronom. Stud. 1840 entsagte er einer Kapellmeisterstelle in Triest kurz vor Antritt seiner Reise dorthin, wegen des erstmaligen Erlebens einer „inneren Stimme“, die L. zur Niederschrift des solcherart Geoffenbarten berief. Ab diesem Zeitpunkt wirkte er hauptsächlich als theosoph. Schriftsteller und unterbrach diese Tätigkeit nur selten durch Konzertreisen. Hochgestellte Persönlichkeiten des öff. und geistig-kulturellen Lebens wurden von L. als Medium und Schriftsteller wesentlich beeindruckt. Sein verinnerlichtes Bekennertum zur Gottes- und Nächstenliebe als dem zeitlos gültigen Lebensgrundgesetz wirkte besonders auf seinen Freund und Biographen K. G. v. Leitner (s. d.), der die Gedankentiefe, Einfachheit und Erhabenheit der aphorist. Sätze L.s hervorhob. Die Behauptung seiner Anhänger von einer Übertragung des jeweils Gegenständlichen in L.s Schriften durch „außerirdische Intelligenzen“ ist nicht zu überprüfen. Doch auch für den Fall der Richtigkeit dieser Annahme müssen die in seinen Niederschriften sinnzusammenhängend wiedergegebenen Gedanken als für den Verfasser selbst denkbar geltend gemacht werden. Einige seiner „eingegebenen“ Erkenntnisse hielten späteren Erfahrungen stand, so z. B. die Annahme von vielfältigen Strahlungskräften, die L. im Zusammenhang mit seiner Überzeugung von der Beseeltheit aller Natur aussagte. Alle erst posthum im Druck erschienenen Schriften L.s wurden aus dem Besitz K. G. v. Leitners von der steir. Landesbibl. Joanneum in Graz übernommen. 1921 wurde eine J. L.-Ges. mit dem Organ „Das Wort“ gegründet.

W.: Die große Zeit der Zeiten, 1848; Briefwechsel Jesu mit Abgarus Ukkama v. Edessa, 1851, 4. Aufl. 1930; Erde und Mond, 1852, 4. Aufl. 1953; Die Haushaltung Gottes, 3 Bde., 1852, 3. Aufl. 1923–26; Die Jugendgeschichte unseres Herrn, 1869, 9. Aufl.: Die Jugend Jesu, 1959; Psalmen und Gedichte, hrsg. von J. Busch, 1870; Die geistige Sonne, 1870, 5. Aufl., 2 Bde., 1955–56; Das große Evangelium Johannis, 5 Bde., 1871–75, 5. Aufl. 1930–58; R. Blum, 2 Bde., 1898, 2. Aufl. 1929; Briefe, 1931; etc.
L.: Neue Illustrierte Wochenschau vom 30. 8. 1964; Phil. und Leben, Jg. 5, 1929; G. Buchner, J. L., sein Leben, seine Schriften und seine Anhänger, 1905; K. G. v. Leitner, J. L., 1924; F. Lanz v. Liebenfels, J. L., 4 He., 1926; K. G. v. Leitner, J. L. ein Lebensbild, Einleitung zu J. L., Briefe, 1931; W. Lutz, Die Gottesbotschaft J. L.s, 1924; M. Heimbucher, Der falsche Mystiker J. L.und die „Neu-Salems-Schriften“, 1928; W. Lutz, Die Grundfragen des Lebens nach J. L., 1930; F. Brümmer, Lex. der dt. Dichter und Prosaisten von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 18. Jh., in: Universal-Bibl. 1941–45, 1884; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, S. 432; SBL 1; Kosch, Das kath. Deutschland.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 312f.
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