Lorenz von Liburnau, Josef Roman (1825-1911), Naturwissenschaftler

Lorenz von Liburnau Josef Roman, Naturwissenschafter. * Linz a. d. Donau, 26. 11. 1825; † Wien, 13. 11. 1911. Vater des Folgenden; stud. zuerst bis 1849 an der Univ. Wien Jus, dann an der Univ. Graz Naturwiss., 1853 Dr. phil. 1851–55 war er als Gymnasiallehrer in Salzburg (in diese Zeit fallen seine ersten wiss. Veröff.), 1855 als Lehrer für Naturgeschichte am Gymn. in Fiume tätig, wo er auf Grund seiner Arbeiten 1857 mit Forschungen zur Gewinnung einer wiss. Grundlage für die Bebauung und Aufforstung des liburn. Karstes betraut wurde. 1861 an die landwirtschaftliche Abt. des k. k. Min. für Handel und Volkswirtschaft nach Wien berufen, widmete sich L. nun der Organisation des land- und forstwirtschaftlichen Unterrichts- und Versuchswesens in Österr., trat 1868 in das neugegründete Ackerbaumin. über, wurde 1873 zum Min. Rat ernannt und entwickelte nun bis zu seiner Pensionierung (1892) eine umfassende, durch eigene Initiative ausgezeichnete Tätigkeit, von der vor allem die Gründung und Organisation der Hochschule für Bodenkultur, der Forstlichen Bundes-Versuchsanstalt Mariabrunn, der Landwirtschaftlich-chem. Versuchsanstalt in Wien, der österr. Agrarstatistik sowie die Reorganisation der Höheren landwirtschaftlichen Lehranstalt „Francisco-Josefinum“ und der Obst- und Weinbauschule in Klosterneuburg zu nennen sind. L., Präs. der Österr. Meteorolog. Ges., Vizepräs. der Geograph. Ges., Leiter der Statist. Zentralkomm. und Schriftleiter der Landwirtschaftlichen Ztg. in Österr. und der Amtlichen Mitt. des Ackerbaumin., wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1877 nob.

W.: Über Torfbildung, Entstehen, Verwendung und Wiedererzeugung des Torfes, mit besonderer Rücksicht auf die am Fuße des Untersberges bei Salzburg gelegenen Moore, 1854; Vergleichende orograph.-hydrograph. Untersuchung der Versumpfungen in den oberen Flußthälern der Salzach, der Enns und der Mur oder im Pinzgau, Pongau und Lungau, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl., Bd. 26, 1857; Parallelochromat. Tafeln zum Stud. der Geol., 2 Bde., 1858; Geolog. Recognoszirungen im Liburn. Karste und den vorliegenden Quarner. Inseln, in: Jb. der k. k. Geolog. Reichsanstalt 10, 1859; Ber. über die Bedingungen der Aufforstung und Kultivierung des kroat. Karstgebirges, in: Mitt. der k. k. Geograph. Ges. in Wien, Bd. 3, 1860; Physikal. Verhältnisse und Vertheilung der Organismen im quarner. Golfe, 1863; Lehrbuch der Klimatol. mit besonderer Rücksicht auf Land- und Forstwirtschaft, gem. mit C. Rothe, 1874; Die höchste Stufe des land- und forstwirtschaftlichen Unterrichts . . ., 1874; Wald, Klima und Wasser, in: Naturkräfte, Bd. 29, 1878; Die geolog. Verhältnisse von Grund und Boden, 1883; Über die Wohlfahrtswirkungen des Waldes, in: Centralbl. für das gesammte Forstwesen, 1889–90; Der Hallstättersee, in: Mitt. der k. k. Geograph. Ges. in Wien, Bd. 41, 1898; etc. Red.: Die Bodencultur Österr., gem. mit J. Wessely, 1873; Die Bodencultur auf der Wr. Weltausst., 3 Bde., 1874.
L.: N. Fr. Pr. vom 15. 11. 1911; Österr. Forst-Ztg. 1893, S. 52; Österr. Vierteljahress, für Forstwesen, 1895, S. 399, 1912, S. 104; Centralbl. für das gesammte Forstwesen, 1896, S. 49, 1912, S. 1; Österr. Forst- und Jagd-Ztg, 1896, S. 51, 1911, S. 436; Petermanns Mitt., Jg. 57, Bd. 2, 1911, S. 341; Mitt. der k. k. Geograph. Ges. in Wien, Bd. 55, 1912, S. 528 ff. (mit Werksverzeichnis); Mitt. der Forstlichen Bundes-Versuchsanstalt Mariabrunn, H. 52, 1956, S. 74; R. Steinbach, Österr. Botaniker des 19. Jh., die nicht an Hochschulen wirkten, phil. Diss. Wien, 1959, S. 62 f., 88; Kosch, Das kath. Deutschland; Poggendorff 3–5; Eisenberg, 1893, Bd. 2; Krackowizer; Wurzbach; Biograph. Jb., 1914; Mitt. H. Lorenz, Wien.
(Killian)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 319f.
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