Ludwig, Bernhard Hieronymus (1834-1897), Möbelfabrikant

Ludwig Bernhard Hieronymus, Möbelfabrikant. * Mülsen-St. Jakob (Sachsen), 2. 3. 1834; † Wien, 12. 9. 1897. Vater des Vorigen; erlernte das Tischlerhandwerk bei seinem Vater, wurde 1850 freigesprochen und ging im Juli 1851 als Geselle auf Wanderschaft. 1855 machte er sein Meisterstück und ging anschließend als Tischlergehilfe und Werkführer nach Wien. 1862 leistete er den Untertaneneid und eröffnete in Wien VI., Gumpendorferstraße 117, eine gewerbliche Zeichenschule für Tischler und Bildhauer, wo viele Inhaber von später berühmt gewordenen Wr., Prager und Budapester Tischlerfirmen ihre Ausbildung empfingen. Gleichzeitig gab er für seine Berufskollegen Möbelvorlagen heraus. 1865 gründete er neben der Zeichenschule die Fa. Bernhard Ludwig. 1870 erhielt er für seine Ausst. in Graz die Große Goldene Medaille, 1873 beteiligte er sich gem. mit dem Tapezierer A. Fix an der Weltausst. in Wien, wofür er das Ehrendiplom erhielt. 1877 übersiedelte er seinen Betrieb nach Wien VI., Münzwardeingasse 2. Schon 1871 hatte er in Suben (O.Ö.) eine Zweigfabrik gegründet, die später wieder aufgelassen wurde. Zu dieser Zeit war er bereits k. k. Hofkunsttischler. 1880 beteiligte er sich erfolgreich an der elektr. Ausst. und führte dort den von ihm erfundenen elektr. Brandstift vor. Diese mühevolle Technik ersetzte er später für die Möbel durch eine von ihm erfundene „Brandtechnik“, mit welcher er auf der Jubiläumsausst. des Gewerbever. 1888 großes Aufsehen erregte. 1893 erwarb er zur Erweiterung seines Betriebes einen großen Grund in der Nähe des Bahnhofes Liesing, um dort eine zweite größere Fabrik zu erbauen. 1896 zog er sich krankheitshalber vom Geschäft zurück und übergab die Leitung der Fa. seinem Sohn Bernhard L. (s. d.). L., dessen Unternehmen über die Grenzen des Reiches hinaus bekannt geworden war, wurde 1878 Hofkunsttischler des Kg. von Rumänien. Es gab fast keinen großen Wr. Monumentalbau, an dem er nicht als Mitarbeiter in hervorragender Weise tätig war.

L.: N. Fr. Pr. vom 14. 9. 1897.
(Windisch-Graetz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 347
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