Ludwig, Joseph Anton Erzhg. von Österr. (1784-1864), Feldzeugmeister

Ludwig Joseph Anton Erzherzog von Österreich, General. * Pisa (Toskana), 13. 12. 1784; † Wien, 21. 12. 1864. Als 15. Kind des Großherzogs Leopold (später K. Leopold II.) von Toskana und der Prinzessin Maria Luisa von Spanien, genoß er unter Aufsicht seines Bruders, K. Franz I. (s. d.), eine vorwiegend militär. Ausbildung. Wurde 1801 zum Obst.-Inhaber des IR.8 ernannt und 1803 Präses einer Grenz-Organisierungs-Comm., wobei er auf mehreren Reisen die Einrichtungen der Militärgrenzen kennenlernte und ihre Reorganisation entscheidend förderte. Mit 12. 6. 1804 wurde er zum Gen.-Grenz-Inspektor ernannt. Den Feldzug von 1805 machte er in Begleitung seines Bruders Erzh. Karl (s. d.) in Italien mit und führte beim Rückzug eine Brig. Er wurde 1807 FML und übernahm im Feldzug von 1809 das Kmdo. des 5. Armeekorps, das er jedoch bereits am 24. 4. 1809 an FML Joh. Frh. v. Hiller (s. d.) abgab. Der Friede von Schönbrunn führte zur Abschaffung des Gen.-Grenz-Inspektorates. L. ging auf Reisen und übernahm 1815 nur kurzfristig ein Divisionskmdo. beim Einmarsch nach Frankreich. 1818 FZM. Seine techn. und naturwiss. Interessen, die er besonders auf einer 1816/17 mit seinem Bruder Johann (s. d.) unternommenen Englandreise bekundete, ließen ihn nach seiner Rückkehr für das Amt des Gen.Art.Dir. (1819–49) prädestiniert erscheinen. Er genoß zum Unterschied von seinen anderen Brüdern das volle Vertrauen K. Franz I. der ihn auch zu Verwaltungsaufgaben heranzog und fallweise mit seiner Vertretung betraute. Dem Willen des K. entsprechend, übernahm er nach dessen Tod an der Spitze der Staatskonferenz eine Art Regentschaft für den regierungsunfähigen K. Ferdinand I. (s. d.), vermochte aber die Spannungen zwischen Metternich und Kolowrat (s. d.) nicht zu überbrücken. Mit geringer Entschlußkraft blieb er ein Hort der Unbeweglichkeit und damit eine Zielscheibe der Gegner des vormärzlichen Systems. In den Märztagen 1848 riet er Metternich zur Flucht und zog sich selbst aus dem öff. Leben zurück. 1848 Ehrenmitgl. der Akad. der Wiss. in Wien.

L.: Streffleur, 1864, Bd. 4, S. 343 ff.; Almanach Wien, 1865; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; F. Pollak, Geschichte des k. u. k. Inf.-Rgt. Erzh. Carl Stephan n. 8, Bd. 2, 1892, S. 112 ff.; F. Gatti, Geschichte des k. k. Bombardier-Corps, der k. k. Art.-Hauptschule und der k. k. Art.-Akad., 1905, S. 132; M. Rauchensteiner, Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809, in: Mitt. des österr. Staatsarchivs, Bd. 17/18, 1964/65, S. 147 ff.; F. Walter, Die Geschichte der österr. Zentralverwaltung 1780–1848, in: Die österr. Zentralverwaltung, Abt. 2, Bd. 1/2, in: Veröff. der Komm. für neuere Geschichte Österr., Bd. 42, 1956; A. Wandruszka, Leopold II., Bd. 2, 1965, s. Reg.; H. Srbik, Metternich, der Staatsmann und der Mensch, 3 Bde., 1925–1954, s. Reg.
(Broucek–Goldinger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 349
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