Luntz, Victor (1840-1903), Architekt

Luntz Victor, Architekt. * Ybbs (N. Ö.), 8. 3. 1840; † Wien, 12. 10. 1903. Vater der beiden Vorigen; Schüler E. van der Nülls und A. S. v. Siccardsburgs, später von F. v. Schmidt, dem er sehr nahestand und in dessen Atelier er lange tätig war. 1885 wurde er als Nachfolger H. v. Ferstels (s. d.) an die Lehrkanzel für altchristliche und mittelalterliche Baukunst der Techn. Hochschule Wien berufen. 1892 folgte er Schmidt an der Architekturschule der Akad. der bildenden Künste in Wien und leitete sie bis zu seinem Tode. L. begann in der Tradition strenger Neurenaissance und versuchte dann in got. Formen zu bauen. Sein Entwurf für die Pfarrkirche in Wien-Breitenfeld (1882) wurde jedoch wegen der bei den Steinmetzbauten zu erwartenden Kostenüberschreitungen abgelehnt. L. wandte sich daher frühchristlichen und roman. Vorbildern zu, aus deren Geist er zu monumentalen Neuschöpfungen gelangte. Er erwarb sich auch als Restaurator got. Kirchen Verdienste.

W.: Realschule, Wien XV., Henriettenplatz, 1876/77; Herz-Jesu-Basilika, Wien XXI., Schüttauplatz, 1887—93; K. Jubiläumskirche Hl. Franz v. Assisi, Wien II., Mexikoplatz, vollendet von A. Kirstein, 1898—1913; etc. Restaurierungen: Außeninstandsetzung der Kirche Maria am Gestande, Wien I., Salvatorg., 1890—94; Minoritenkirche, Wien I., Minoritenplatz, gem. mit anderen, 1902—09.
L.: N. Fr. Pr. vom 13. 10. 1903; Z. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver., Jg. 55, 1903, S. 635; Mitt. der Architekten-Vereinigung Wr. Bauhütte, Bd. 26, 1904, Lfg. 4; Kosel; Thieme–Becker; Kosch, Das kath. Deutschland; Biograph. Jb., 1905; Die k. k. Techn. Hochschule in Wien 1815—1915, red. von J. Neuwirth, 1915, s. Reg.; A. Lechner, Geschichte der Techn. Hochschule in Wien (1815—1940), 1942, s. Reg.; 150 Jahre Techn. Hochschule in Wien 1815— 1965, hrsg. von H. Sequenz, Bd. 2, S. 289, 295; Länder und Menschen vor der Jahrhundertwende (Ausst.-Katalog), in: Biblos-Schriftlen, Bd. 52, 1969.
(Schachel)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 370
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