Mayer von Mayrau, Kajetan Frh. (1811-1883), Beamter und Finanzfachmann

Mayer von Mayrau Kajetan Frh., Beamter und Finanzfachmann. * Mähr.-Trübau (Moravská Třebová, Mähren), 1811; † Wien, 23. 4. 1883. Stud. an der Univ. Olmütz Jus, 1833 Dr. jur., absolv. dann die Gerichts- und Advokatenpraxis in Brünn. Ab 1837 in Diensten des Fürsten Aloys II. v. u. z. Liechtenstein (s. d.), wurde M. bald Inspektor der fürstlichen Herrschaften in Mähren. 1848 Reichsratsabg., zeichnete er sich vor allem als geschickter Redner und Fachmann in Administrationsfragen aus. Unter Doblhoff (s. d.) fungierte M. bis 29. 10. 1848 als Unterstaatssekretär im Min. des Inneren, trat dann eine bereits früher verliehene Stelle als Landesadvokat und Wechselnotar in Brünn an, wirkte daneben aber auch als Vertrauensmann der verschiedenen Min. und spielte vor allem bei den Vorarbeiten zur Durchführung der Grundentlastung und Einführung der neuen Gerichtsorganisation in Mähren eine maßgebliche Rolle. 1849 Präs. der Grundentlastungskomm. für Mähren und Gen.Prokurator beim Mähr.-schles. Oberlandesgericht (mit dem Rang eines Rates des Obersten Gerichtshofes). M. trat dann als w. Ministerialrat in das Innenmin. über, wo er die Leitung des Dep. für Landeskultur übernahm. Das Schwergewicht seiner Tätigkeit lag auf den Arbeiten zur Ablösung und Regulierung der Grundlasten, zum neuen Forstgesetz, den Reformen der Besteuerung und des Gewerbewesens sowie zur Durchführung der Nationalanleihe von 1854. Daneben beschäftigte er sich mit legislativen Vorarbeiten betreffend die Kolonialisierung in Ungarn und im Banat, mit der Organisation der Waldbehörden in Tirol und Vorarlberg, mit der Errichtung landwirtschaftlicher Unterrichtsanstalten und mit statist. Arbeiten. 1860 quittierte M. den Staatsdienst, widmete sich in der Folge vornehmlich nationalökonom. Stud. und wurde erster Dir. der 1864 gegründeten k. k. privilegierten österr. Pfandleihges. (später k. k. privilegierte Allg. Verkehrsbank). Bereits ab 1862 Mitgl. des Verwaltungsrates der Credit-Anstalt, wurde M. 1866 zum Dir. bestellt. Die industriellen Gründungsgeschäfte der folgenden Konjunkturepoche (Ankauf der Innerberger Montanwerke 1868, der Kohlenwerke G. v. Kramstas sowie von Gruben in Orzesche in Oberschlesien und der Henckel v. Donnersmarckschen Werke 1871 u. a. m.) gehen weitgehend auf seine Initiative zurück, wurden jedoch durch die Krise von 1873 in Mitleidenschaft gezogen. Anfang 1874 legte er dieses Amt nieder, war aber 1875–83 wieder Mitgl. des Verwaltungsrates. Ab 1867 war M. auch Mitgl. des Verwaltungsrates der Ung. Allg. Creditbank in Budapest. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1854 nob., 1868 Frh.

L.: Reichstags-Gallerie, Geschriebene Porträts der hervorragenden Deputierten des ersten österr. Reichstags 1848, H. 1, 1849; Wurzbach; Ein Jh. Credit-Anstalt-Bankver., 1957, s. Reg.; Allg. Verw. Α., Wien.
(H. Stekl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 5f.
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