Mayer, Ignaz (1810-1876), Schiffmeister

Mayer Ignaz, Schiffmeister. * Ofen (Buda, Ungarn), 19. 10. 1810; † Linz a. d. Donau, 31. 8. 1876. Sohn eines aus Pulkau stammenden Handelsmannes, Schwiegervater des Linzer Lederfabrikanten M. Mayrhofer; kam in jungen Jahren als Schiffschreiber zu seinem Onkel, dem Schiffmeister P. Lüftenegger, nach Linz, dessen Geschäftsführer er bald wurde. Nach dem Tod des Onkels, 1836, führte M. mit dessen Witwe Maria das Geschäft weiter, später machte er sich selbständig und wurde als „Schiffmeister, Rohproduktenhändler und Schiffbauer“ in Linz in das Handelsreg. eingetragen. Durch seine Idee, die hölzernen Donaufrachtschiffe durch eiserne zu ersetzen, die er als erster auf breiter Ebene realisierte, gab er in der Folge der Donauschiffahrt ein völlig neues Gepräge. Auf ausgedehnten Studienreisen lernte er in London den eisernen„Leichter“ kennen, dessen Konstruktion er sich zum Vorbild nahm. Nach Linz zurückgekehrt, verlegte er sich auf diese Produktionssparte und wurde damit zum Begründer der Linzer Schiffswerft. Sein erstes Schiff, „Die Stadt Linz“, wurde am 12. 11. 1840 in Betrieb gesetzt. Gem. mit M. Fink aus Braunau und J. G. Riedl aus Bayern gründete er später die Donauschiffahrtsges. Riedl und Co., die auf Grund einer eigenen Konzession Donau und Inn mit Dampfschiffen befuhr. Ab 1854 wurden in der Werft, die in den 60er Jahren unter M.s Leitung einen großen Aufschwung nahm, daher auch Dampfschiffe hergestellt. M., der auch eine Reihe sozialer Einrichtungen, wie eine Werkskrankenkasse sowie Wohnungen für seine Arbeiter schuf, bekleidete zahlreiche Ämter im öff. Leben der Stadt Linz. Er war 1848 Hptm. der Linzer Nationalgarde, 1851 Gemeinderat, ab 1854 in der Handelskammer Linz, 1866 im Landtag und 1867 im Reichsrat, 1869 Präs. der Handels- und Gewerbekammer für O.Ö. Die eiserne Linzer Donaubrücke und die Bahn Linz–Gausbach gehen tw. auf seine Initiative zurück. Auf Grund gehässiger Angriffe zog er sich 1871 verbittert aus dem öff. Leben zurück und verkaufte die Werft nach dem Tod seines Sohnes 1874 an die Allg. Österr. Bauges.

L.: Kammer-Nachrichten vom 27. 11. 1965; E. Neweklowsky, Die Schiffmeister von Linz, in: Jb. der Stadt Linz, 1950, S. 247 f.; Krackowizer; 100 Jahre Schiffswerft Linz, 1940; 120 Jahre Schiffswerft Linz, 1960; E. Neweklowsky, Die Schiffahrt und Flößerei im Raume der oberen Donau, Bd. 2–3, in: Schriftenreihe des Inst. für Landeskde. von O.Ö., hrsg. von F. Pfeffer, Bd. 6, 1954, Bd. 16, 1964, s. Reg.; Oberbank 1869–1959; Mitt. S. Pröschl, Linz.
(Reitinger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 25, 1972), S. 428
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