Majar, Matija; Ps. Ziljski (1809-1892), Ethnograph, Liguist und Kulturpolitiker

Majar Matija, Ps. Ziljski, Ethnograph, Linguist und Kulturpolitiker. * Wittenig b. Görtschach i. Gailtal (Kärnten), 7. 2. 1809; † Prag, 31. 7. 1892. 1836 Priesterweihe in Klagenfurt, ab 1837 in der fürstbischöflichen Kanzlei in Klagenfurt, dann als Seelsorger in verschiedenen Orten Kärntens tätig, 1851–70 Pfarrer in Göriach, 1871–83 war er krankheitshalber Benefiziat am Kreuzberg b. Klagenfurt und lebte dann in Prag. Im Klagenfurter Priesterseminar wurde M. von seinem Spiritual Slomšek zu literar. Tätigkeit angeregt. Unter dem Einfluß von Jarnik (s. d.) und Vraz sammelte er vor allem Volkslieder und wurde allmählich einer der führenden Sammler slowen. Volksliedtexte. Im Bestreben, das slowen. dichter. Schaffen zu bilden und zu heben, war M. der Meinung, man müsse beim Volkslied Vorbilder suchen (so bei Karadžić, s. d., oder bei Preradović). 1867 nahm er an der ethnograph. Ausst. in Moskau teil und stattete einen Raum mit der Gailtaler Hochzeitstracht aus, welche als das beste Exponat der slaw. Abt. anerkannt wurde. M.s Hauptanliegen war eine einheitliche illyr. bzw. allslaw. Sprache, jedoch nur einige seiner linguist. Grundsätze wirkten sich positiv auf die Bildung der einheitlichen slowen. Schriftsprache in den 50er Jahren des vorigen Jh. aus. Mit A. Einspieler (s. d.) lenkte er das nationalpolit. Geschehen bei den Kärntner Slowenen. 1848 propagierte er als begeisterter Anhänger der illyr. Idee als erster ein vereinigtes Slowenien in einer südslaw. Föderation innerhalb der Habsburgermonarchie und verlangte die slowen. Amts- und Unterrichtssprache. 1873–75 gab er im Selbstverlag die Z. „Slavjan“ (Der Slawe) heraus.

W.: Pravila, kako izobraževati ilirsko narečje i u obče slavenski jezik (Regeln, wie der illyr. Dialekt und die slaw. Sprache überhaupt zu bilden sind), 1848; Slovnica za Slovence (Grammatik für Slowenen), 1850; Spisovnik za Slovence (Briefsteller für Slowenen), 1850; Volkssagen und Volkslieder der Kärntner Slowenen, in: H. Hermann, Hdb. der Geschichte des Herzogthumes Kärnten, Bd. 1, 1860; Uzajemni pravopis slavjanski. . . (Gemeinslaw. Rechtschreibung. . .), 1865; Beitrr. in Z., u. a. in Novice, Kolo. Hrsg.: Pesmarica cerkvena (Kirchengesangbuch), 1846, 2. Aufl. 1852; Slavjant, 1873–75.
L.: SBL; Wurzbach; Enc. Jug.; Nar. Enc.; Masaryk; I. Prijatelj, Borba za individualnost slovenskega knjižnega jezika (Der Kampf um die Eigenständigkeit der slowen. Schriftsprache), 1937; Zgodovina slovenskega slovstva (Geschichte der slowen. Literatur), Bd. 2, 1959, S. 41, 153 ff.
(N. Gspan)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 24f.
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