Malfatti von Monteregio, Johann (1775-1859), Mediziner

Malfatti von Monteregio Johann, Mediziner. * Lucca (Toscana), 12. 6. 1775; † Wien, 12. 9. 1859. Stud. an der Univ. Bologna unter L. Galvani Anatomie, in Pavia unter J. P. Frank (s. d.), dem er später nach Wien folgte, klin. Med., 1797 Dr. med. Er arbeitete mehrere Jahre unentgeltlich als Sekundararzt bei Frank und dessen Sohn Josef, um sich dann einer Privatpraxis zu widmen, die bald einen ungewöhnlich guten Ruf hatte. Er wurde Leibarzt der Erzhgn. Beatrice d’Este und behandelte andere Mitgl. des Kaiserhauses, wie den Herzog von Reichstadt, den er bis zum Tode betreute. Auch Beethoven (s. d.) stand er bei seiner Todeskrankheit zur Seite. Noch als Sekundararzt gründete er 1802 mit einer Gruppe von Freunden die Ges. prakt. Ärzte, die ab 1804 einmal wöchentlich in seiner Wohnung in der Himmelpfortgasse diskutierte. Diese Vereinigung war die Vorläuferin der seit 1837 bestehenden Ges. der Ärzte in Wien, deren erster Präs. er wurde. Bei der Eröffnungssitzung am 24. 3. 1838 hielt M. den Festvortrag, der die alten Traditionen und die ihm nahestehende naturphilosoph. Schule pries, aber der jungen aufstrebenden Med. nicht gerecht wurde. Da er keinen Anschluß an die neue med. Schule unter der Führung Rokitanskys fand, legte er 1841 die Würde des Präs. zurück und trat aus der Ges., welche ihn 1845 zu ihrem Ehrenmitgl. ernannte, aus. M.s Schriften sind durch seine naturphilosoph. Neigungen beeinflußt, von seinen Freunden Schelling, Troxler, Oken und Hufeland geprägt. Seine „Studien über Anarchie und Hierarchie des Wissens mit besonderer Beziehung auf die Medicin“ sind durch ihre Zahlenmystik kaum verständlich. Er untersuchte in seinem „Entwurf einer Pathogenie aus der Evolution und Revolution des Lebens“ Krankheiten in ihrem Verhältnis zu den Altersstufen. Diese Schrift gilt als eine der wichtigsten Publ. der Wr. naturphilosoph. Schule. Daß M. über eine gute klin. Beobachtungsgabe verfügte, zeigen seine Stud. über die Tuberkulose, in denen er schon auf deren Verwandtschaft mit den Skrofeln hinwies. Im Alter beschäftigte er sich mit Agrikultur. Er erwarb sich um einige österr. Heilbäder große Verdienste und wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Ehrenbürger von Ischl, 1837 nob.

W.: Entwurf einer Pathogenie aus der Evolution und Revolution des Lebens, 1809; Stud. über Anarchie und Hierarchie des Wissens mit besonderer Beziehung auf die Med., 1845; Neue Heilversuche: 1. Gelungene Vertilgung des Grauen Staares durch eine neue äußere Heilmethode usw. 2. Häufige Entstehung des schwarzen Staars aus dem Raphragma. Erkenntnis und Behandlung dieser so wie anderer (eben so oft verkannten) Krankheit der Schädelsuturen, 1847; Berr. über Versuche zur Beseitigung der Kartoffelkrankheit, 1853; etc. Übers. aus dem Italien.: A. Scarpa, Chirurg. Abh. über die angeborenen krummen Füße der Kinder und über die Art, die Ungestaltheit zu verbessern, 1804.
L.: Rathaus-Korrespondenz vom 10. 9. 1959; WMW, Jg. 80, 1930, S. 1120 ff.; Bollettino dell’Istituto storico italiano dell’arte sanitaria, 1931, H. Jänner/Februar, engl. in: Medical Life 38, 1931, S. 698 ff.; Medical Press, 1959, S. 217; A. Castiglioni, G. M., in: Festschrift für M. Neuburger, 1928, S. 75 f.; A. C. P. Callisen, Med. Schriftsteller-Lex., Bd. 12, 1832, Bd. 30, 1842; Hirsch; Wurzbach; ADB; Gräffer–Czikann; Lesky, s. Reg.
(M. Jantsch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 35
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