Mamroth, Fedor (1851-1907), Journalist

Mamroth Fedor, Journalist. * Breslau, 21. 2. 1851; † Frankfurt a. M. (Hessen), 25. 6. 1907. Onkel des Journalisten P. Goldmann (s. d.). M., der schon während seines Stud. der Phil. und der schönen Künste an der Univ. Breslau schriftsteller. tätig war, ging nach seiner Promotion (1873 Dr. phil. mit einer Diss. über Chaucer) nach Wien, wo er bleibende Eindrücke für seine nun endgültig eingeschlagene Laufbahn als Journalist — in erster Linie Feuilletonist und Theaterkritiker — empfing. Nachdem er vorerst als Nachtred. der „Neuen Freien Presse“ und tagsüber als Sekretär der Kohlenverkehrsbank tätig gewesen war, trat er in die Red. der „Deutschen Zeitung“, verfaßte zugleich auch die Burgtheaterreferate für die „Wiener Sonn- und Montagszeitung“ und unternahm zahlreiche Reisen. Anfang der 80er Jahre Lokalred. des „Illustrierten Wiener Extrablatts“. Ab 1882 im Red.-Verband der „Presse“ (Feuilletonred.), machte sich M. 1886–90 (ab 1889 in Zusammenarbeit mit Goldmann) besonders als Begründer und Chef-Red. der Halbms. „An der Schönen Blauen Donau“ verdient, einem literar.-musikal. „Unterhaltungsblatt für die Familie“, in dem neben zahlreichen Prosa- und Gedichtbeitrr. von M. selbst nicht nur die anerkannten Größen der Zeit, sondern auch junge Talente wie Hofmannsthal (s. d.) und vor allem Schnitzler zu Wort kamen. Ab April 1889 war M. besonders wegen seiner Schauspielreferate angefeindeter Feuilletonred. der „Frankfurter Zeitung“, blieb jedoch auch hier stets den geistigen Erscheinungen Österr. zugewandt und war auch als Frankfurter Korrespondent des „Neuen Wiener Tagblatts“, der „Neuen Freien Presse“ etc. tätig. Schriftsteller. war M. trotz großer Vielseitigkeit (er verfaßte sogar nationalökonom. Schriften) weniger erfolgreich. Im Gegensatz zu seinen in Zusammenarbeit mit O. S. Weiss verfaßten Lustspielen, die nicht über ein Klischee hinausreichen, und seinen novellist. Skizzen und Reisebriefen, deren Humor manchmal etwas gezwungen anmutet, sind seine gekonnt geschriebenen Theaterkritiken auch heute noch fesselnd und lesenswert und verraten trotz manches einseitigen Standpunkts reiches Wissen und Einfühlungsvermögen in die Dichtung.

W.: Geoffrey Chaucer, seine Zeit und seine Abhängigkeit von Boccaccio, 1872; Betrachtungen über Österr. wirtschaftliche Wiedergeburt, 1875; I. Ginzkey, 1.–2. Aufl. 1877; Meilensteine. Wanderbilder aus dem Süden, 1885; Aus dem Leben eines fahrenden Journalisten, 1907; Aus der Frankfurter Theaterchronik, 2 Bde., 1908; etc. Lustspiele: Der Neffe des Min., 1882, Die Reise nach Sumatra, 1883, Der neue Paganini, 1883, alle gem. mit O. S. Weiss.
L.: N. Fr. Pr. und Wr. Ztg. vom 25. 6. 1907; Illustriertes Wr. Extrabl., Neues Wr. Abendbl., N. Wr. Tagbl. und Fremden-Bl. vom 26. 6. 1907; J. Mamroth, Vorwort zu: F. Mamroth, Aus dem Leben eines fahrenden Journalisten, 1907; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Kürschner, 1884–1903; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, s. Reg.; Eisenberg, 1889, 1891; W. Kosch, Biograph. Staatshdb., Bd. 2, 1963; Biograph. Jb., 1909, 1910; J. Stern – S. Ehrlich, Journalisten- und Schriftsteller-Ver. Concordia 1859–1909, Festschrift, 1909, S. 174; A. Schnitzler, Jugend in Wien. Eine Autobiographie, 1968, s. Reg.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 44f.
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