Mandl, Leopold (1860-1930), Journalist

Mandl Leopold, Journalist. * Wien, 18. 9. 1860; † Wien, 15. 9. 1930. Aus einer dt.-böhm. Fabrikantenfamilie stammend, stud. M. ab 1892 an der Univ. Wien (1909 Dr. jur.) und wurde nach kurzer Tätigkeit im väterlichen Geschäft polit. Schriftsteller. Nach Engagement für die dt. Sache in Böhmen (bei den Königinhofer Exzessen schwer mißhandelt) wandte er sein Hauptinteresse vor allem den polit. Belangen des Balkans zu. Vorerst bei verschiedenen inländ. Ztg. („Wiener Tagblatt“, „Wiener Allgemeine Zeitung“, „Neues Wiener Journal“) — auch für den Sportteil tätig —, war er später Korrespondent der „Vossischen Zeitung“, Berlin, und lebte in den letzten Jahren als freier Publizist. Reiche hist. Kenntnisse, Reisen und persönliche Verbindungen zu führenden Persönlichkeiten vor allem Serbiens verschafften ihm tiefen Einblick in die serb. Verhältnisse und machten ihn zu einem der besten Balkankenner, der in seinen Schriften, in denen er mit offensichtlicher Sachkenntnis besonders das Verhältnis zwischen Österr.-Ungarn und Serbien untersucht, manches überraschend vorausblickende Urteil fällt. 1916 gründete M. die Union der Korrespondenten der auswärtigen Presse, deren Präs. er bis zu seinem Tod war.

W.: Österr.-Ungarn und Serbien, 1911; Österr.-Ungarn und Serbien nach dem Balkankriege, 1912; Die Habsburger und die serb. Frage, 1918.
L.: Neues Wr. Journal, N. Fr. Pr., RP, N. Wr. Tagbl. und Volks-Ztg. vom 16. 9., Wr. Ztg. vom 17. 9. 1930; Kosel; Kürschner, 1901–22; Wininger; Wer ist’s? 1905–35; F. Funder, Vom Gestern ins Heute. Aus dem Kaiserreich in die Republik, 2. Aufl. 1953, S. 254.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 48
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