Maretzek, Max (1821-1897), Opernfachmann, Dirigent und Komponist

Maretzek Max, Opernfachmann, Dirigent und Komponist. * Brünn, 28. 6. 1821; † New York-Pleasant Plains, Staten Island (USA), 14. 5. 1897. Stud. zuerst an der Univ. Wien Med. und Jus, dann Musik bei J. Fischhof (s. d.) und Seyfried. M. wirkte zunächst als Dirigent in Agram, Bamberg und Nancy und dirigierte in Brünn seine eigene Oper „Hamlet“. Er ging dann nach Paris, wo er Chopin, Liszt (s. d.), Offenbach, Berlioz und Meyerbeer kennenlernte und auch dem Kreis der linksorientierten dt. Exulanten nähertrat. Ab 1844 war er zugleich mit Berlioz Operndirigent am Drury Lane Theater in London. 1848 kam er nach New York als Dirigent an das Astor Place Opernhaus und wurde dessen Dir. Später wirkte er als Dir. und Dirigent an der Academy of Music und an verschiedenen Opernbühnen in New York, nach 1874 als Korrepetitor und Musikschriftsteller. M. war jahrzehntelang der führende Impresario auf dem amerikan. Kontinent und hatte entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung des amerikan. Musiktheaters. Er brachte die bedeutendsten Sänger und Sängerinnen seiner Zeit nach den USA und veranstaltete in der Originalsprache und mit verstärktem Orchester Opernaufführungen in New York und in anderen Städten der USA sowie in Cuba und Mexiko, von bisher unerreichtem Niveau. Trotz häufiger finanzieller Fehlschläge vermochte M., dessen Kompositionen ephemeren Charakters sind, die italien., französ. und dt. Oper in Amerika einzuführen und als dauernde Einrichtung zu erhalten.

W.: Crotchets und Quavers or Revelations of an Opera Manager in America, 1855, Erg.: Sharps and Flats, 1890, Neuaufl.: Revelations of an Opera Manager, hrsg. von Ch. Hayward, in: Dover Books on Music, 1968.
L.: Ch. Hayward, Einleitung zu M. M., Revelations of an Opera Manager, in: Dover Books on Music, 1968, S. 1 ff.; Wurzbach; Dictionary of American Biographies, Bd. 12, 1933; H. F. Krehbiel, Chapters of Opera, 1908, S. 53 ff., 193 ff.; H. C. Lahee, Grand Opera in America, 2. Aufl. 1971, S. 83 ff., 109 ff.; G. P. Upton, Musical Memories, 1906, S. 163 ff.
(H. Knoepfmacher)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 82f.
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