Maria Anna, Kn. von Österr. (1803-1884)

Maria Anna Kaiserin von Österreich. * Turin, 19. 9. 1803; † Prag, 4. 5. 1884. Tochter Kg. Viktor Emanuels I. v. Savoyen und der Erzhgn. Maria Theresia v. Österr.-Este. Ab 27. 2. 1831 mit dem späteren K. Ferdinand I. (s. d.) vermählt, war sie ab 1835 Kn., ab 1836 Kgn. von Böhmen. Obwohl M. A. die dt. Sprache nicht vollkommen beherrschte, bewährte sie sich als Gattin des durch Krankheit fast regierungsunfähigen Monarchen. Das galt auch für die Ereignisse des Jahres 1848, als die dem K. beigegebene Staatskonferenz sich plötzlich auflöste und der Gegensatz zwischen M. A.s Heimat und ihrem Wahlvaterland in Krieg überging. Im März gab M. A. im Einverständnis mit ihrer Schwägerin Erzhgn. Sophie das Metternichsche System noch rechtzeitig preis, schwenkte aber später auf den härteren Kurs gegen die Revolution. Am 2. 12. bewog sie den K. zum Thronverzicht zugunsten seines Neffen Franz Joseph (s. d.). Nach der Abdankung lebte M. A. mit ihrem Gatten auf dem Prager Schloß (ab 1875 als Witwe), beide caritativ wirkend und im Lande selbst von den Föderalisten als letzte Träger der Wenzelskrone verehrt.

L.: Wr. Ztg. vom 6. 5. 1884; V. Ségur-Cabanac, K. Ferdinand I. als Regent und Mensch, 2 Bde., 1912–13; E. C. C. Corti, Vom Kind zum K., 1950, s. Reg.; Geheime Notizen des J. Columbus 1843–48, hrsg. von E. Kovács, 1971, s. Reg.; H. Friedjung, Österr. von 1848–1860, Bd. 1, 1908, S. 62 f., 68, 115 f.
(R. Lorenz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 86
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