Maria Ludovica, (Luigia) Kn. von Österr. (1787-1816)

Maria Ludovica (Luigia), Kaiserin von Österreich. * Monza (Lombardei), 14. 12. 1787; † Verona (Venetien), 7. 4. 1816. Jüngstes Kind Erzh. Ferdinands, des vierten Sohnes Kn. Maria Theresias, und der Maria Beatrix von Este; wurde am 6. 1. 1808 in Wien mit ihrem Vetter, K. Franz I. (s. d.), vermählt. Die Begeisterung, die ihr Auftreten bei der Krönung zur ung. Kgn. in Preßburg am 9. 9. 1808 erregte, veranlaßte die Ungarn zu einer unwahrscheinlichen Bereitschaft zu finanziellen und militär. Opfern. M. L., polit. stark interessiert und eine glühende Gegnerin Napoleons, durchlebte intensiv das Jahr 1809 mit dem jähen Auf und Ab der Ereignisse und schließlich den scheinbar endgültigen Triumph des Feindes im Schönbrunner Frieden. Ihr Briefwechsel mit den Schwägern Erzh. Joseph (s. d.), dem ung. Palatin, und Erzh. Johann (s. d.) sollte der Stärkung des inneren Widerstands gegen den Pessimismus des Oberfeldherrn Erzh. Karl (s. d.), dienen. Es fiel ihr sehr schwer, den überraschenden Wechsel in den Beziehungen Österr. zu Frankreich hinzunehmen, der durch die Eheschließung Napoleons mit ihrer Stieftochter Maria Louise (s. d.) bekräftigt wurde. Ihrer angegriffenen Gesundheit wegen kam sie im Sommer 1810 nach Karlsbad, wo ihre erste Begegnung mit Goethe stattfand. Im Mai 1812 weilte sie an der Seite des K. am Dresdener Fürstenkongreß, obwohl sie die Teilnahme Österr. an dem bevorstehenden Rußlandfeldzug verabscheute. Im Juli war sie zur Kur in Teplitz, wo sie wieder mit Goethe, dem diese Tage unvergeßlich blieben, zusammentraf. Hoffend, daß sich im Süden ihr Gesundheitszustand bessern würde, begleitete M. L. den K. 1816 auf seiner Reise durch die wiedergewonnenen Provinzen Lombardo-Venetien, starb aber in Verona.

L.: E. Guglia, Kn. M. L., 1898; E. Wertheimer, Die drei ersten Frauen des K. Franz, 1898, S. 79 ff.; Rollett, Neue Beiträge, Tl. 11, 1898, S. 52; N. Österr. Biogr., Bd. 12, 1957, S. 7 ff.; O. Criste, Erzh. Carl, Bd. 2–3, 1912, s. Reg.; E. C. C. Corti, Vom Kind zum K., 1950, s. Reg.; H. Rössler, Gf. J. Ph. Stadion, Bd. 1–2, 1966, s. Reg.; Geheime Notizen des J. Columbus 1843–48, hrsg. von E. Kovács, 1971, s. Reg.; 1809. Die polit. Lyrik des Kriegsjahres, hrsg. von R. F. Arnold und K. Wagner, 1909.
(R. Lorenz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 88f.
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