Mariot, Emil; früher Schielbhab(e)l (1825-1891), Photograph und Reproduktionstechniker

Mariot Emil, Photograph und Reproduktionstechniker. * Mähr-Kromau (Moravský Krumlov, Mähren), 7. 1. 1825; † Wien, 7. 8. 1891. Hieß ursprünglich Schielbhab(e)l; versuchte sich als Schauspieler, Dichter und Journalist und war als Theaterleiter in Teschen, Bielitz und Tarnów tätig. Durch G. A. Martins Lehrbuch angeregt, arbeitete er zunächst nebenbei als Amateurphotograph, ab 1854 als Berufsphotograph und hatte ab 1858 ein eigenes Atelier in Pest, ab 1862 in Graz. Das von ihm entwickelte Öldruckverfahren (Oleographie) geriet später – erst 1904/05 wurde ein ähnliches Verfahren durch den Engländer Rawlins entwickelt – in Vergessenheit. M., dessen Aufnahmen aus der Adelsberger Grotte (1868) berühmt wurden, war einer der ersten Photographen, die das Magnesiumlicht prakt. anwendeten. Er erfand auch ein Verfahren, Photographien auf Kupfer zu übertragen und mittels der Kupferdruckpresse zu vervielfältigen. In Würdigung der Bedeutung der von M. entwickelten Verfahren für den Landkartendruck wurde er zum Vorstand der photograph. Abt. in das k. u. k. Militärgeograph. Inst. in Wien berufen. Er erzielte wesentliche Verbesserungen des Landkartendruckes durch photomechan. Reproduktion, führte die Chemiegraphie ein und bewirkte Neuentwicklungen auf den Gebieten der Heliogravüre, der Lithographie und der photomechan. Ätztechnik. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, 1881 Mitgl. der Photograph. Ges. in Wien, 1891 Reg.-Rat.

W.: Zahlreiche Abhh. in Horns photograph. Journal, 1854–64, und Photograph. Korrespondenz, 1865–90.
L.: Photograph. Korrespondenz, 1891, S. 396 ff.; Photograph. Rundschau, 1891, S. 307; Lex. für Photographie, hrsg. von G. H. Emmerich, 1910; J. M. Eder, Ausführliches Hdb. der Photographie, 4. Aufl., Tl. 1, 1932, S. 741, 743, 787, 839, 841, 884.
(A. Durstmüller)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 93f.
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