Marterer, Ferdinand Frh. von (1862-1919), Feldmarschalleutnant

Marterer Ferdinand Frh. von, General. * Prag, 30. 10. 1862; † Wien, 29. 1. 1919. Nach dem Besuch der Inf.Kadettenschule in Prag 1879–81 diente M. beim Feldjägerbaon. 39, dann beim IR 98 in Böhmen und Mähren, 1887–89 absolv. er die Kriegsschule. 1889 als Oblt. dem Gen.Stab zugeteilt, stand er zunächst bei der 10. Inf. Brig. in Troppau in Verwendung; 1892 zum Hptm. im Gen.Stab befördert, erhielt M. seine Einteilung im Operationsbüro in Wien, 1897 diente er beim IR 91 in Prag, 1898 kam er als Mjr. zur 13. Inf. Truppendiv. nach Wien, dann wieder ins Operationsbüro, wo er vor allem mit Vorarbeiten für Truppenübungen befaßt war. Nach verschiedenen Verwendungen wurde M. 1904 der Militärkanzlei des K. zugeteilt, 1905 Obst. M., der bereits ab 1906 den Vorstand der Militärkanzlei FZM Bolfras (s. d.), dessen volles Vertrauen er genoß, gelegentlich vertrat, wurde 1910 zu dessen Stellvertreter ernannt. 1910 GM, 1914 FML, wurde er während des Ersten Weltkrieges verschiedentlich zu wichtigen Missionen an die Front herangezogen. Nach dem Regierungsantritt K. Karls (s. d.) wurde M., der vor dem Krieg als der Vertraute der Militärkanzlei des Erzh.-Thronfolgers Franz Ferdinand (s. d.) gegolten hatte, zum Gen.Adj. und Chef der Militärkanzlei des K. ernannt. Als solcher gehörte er (1917 Gen. d. Inf.) zu den wichtigsten militär. Beratern des jungen K., wobei er allerdings als gehorsamer Soldat die Hauptlast der Verantwortung dem K. überließ und damit die Krone mit allen Entscheidungen belastete. Zudem fehlte M., der zwei Jahrzehnte lang nur in der Militärkanzlei gedient und nie ein höheres Kmdo. geführt hatte, vielfach der Kontakt zur Truppe. 1918 wurde M. aus Gesundheitsgründen seines Postens enthoben und beurlaubt. 1908 nob., 1916 Geh.Rat, 1917 Frh.

L.: RP vom 20. 1. 1917 und 31. 1. 1919; N. Fr. Pr. vom 30. 1. 1919; Danzer’s Armee-Ztg. vom 30. 1. 1919; R. Lorenz, Aus dem Kriegstagebuch des Generaladj. Frh. v. M., in: Österr. und Europa, Festgabe für H. Hantsch zum 70. Geburtstag, 1965, S. 483 ff.; KA Wien.
(R. Egger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 27, 1974), S. 112
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