Martin, Franz (1882-1950), Historiker und Archivar

Martin Franz, Historiker und Archivar. * Salzburg, 22. 9. 1882; † Salzburg, 5. 12. 1950. Sohn eines Tapezierers; besuchte das Gymn. in Salzburg und stud. 1901–05 an der Univ. Wien Geschichte, 1905 Dr.phil. Ab 1903 war M. Mitgl. des Inst. für österr. Geschichtsforschung. Seine Institutsarbeit behandelte die Salzburger Kanzleigeschichte des späteren Mittelalters, seine Diss. die kirchliche Vogtei im Erzstift. 1905 im Salzburger Landesarchiv angestellt, wurde er schon 1906 Ausschußmitgl. der Ges. für Salzburger Landeskde. und 1920 deren Vorstand. 1918 wurde M. Staatsarchivar, 1925 Archivdir., 1932 Hofrat, 1935 wurde er Gen. Staatsarchivar und 1937 korr. Mitgl. der Österr. Akad. der Wiss. 1950 i. R. Das von Hauthaler (s. d.) begonnene Salzburger Urkundenbuch wurde von M. bis zum 4. Bd. fortgesetzt und durch 3 Bde. Regesten bis 1343 ergänzt. Dazu kommt die Hrsg. vieler kleinerer Quellen, vor allem von Tagebüchern und Reiseberr. der früheren Neuzeit. Besondere Verdienste erwarb sich M. als Geschichtsschreiber Erzbischof Wolf Dietrichs. Seine „Kleine Landesgeschichte von Salzburg“ und die das 17. und 18. Jh. umfassende große Darstellung „Salzburgs Fürsten der Barockzeit“ wurden mehrmals aufgelegt. M. war auch Genealoge und Heraldiker, vor allem aber Kunsthistoriker, der die archival. Tle. der Salzburg betreffenden Bde. der österr. Kunsttopographie und 4 Bde. (Tamsweg, Zell am See, Bischofshofen und Braunau) allein bearb. sowie mehrere Kunstführer und kleinere Monographien schrieb. M. ordnete die meisten Archive des Landes Salzburg und verfaßte zahlreiche Inventare. Neben seiner wiss. Tätigkeit hielt er viele Vorträge und schrieb 294 Zeitungsartikel. Als Archivar und Landeshistoriker unermüdlich tätig, machte er sich die Betonung der Leistung und Eigenständigkeit Salzburgs und des Salzburger Kirchenstaates zur Lebensaufgabe.

W.: Kirchliche Vogtei im Erzstift Salzburg, in: Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde., Jg. 46, 1906; Erzbischof Wolf Dietrichs letzte Lebensjahre, ebenda, Jg. 51, 1911; Zur Geschichte Erzbischof Wolf Dietrichs, ebenda, Jg. 61, 1921; Wolf Dietrich, Erzbischof von Salzburg, in: Österr. Bücherei 12, 1925; Kunstgeschichte v. Salzburg, 1925; Hundert Salzburger Familien, in: Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde., Jg. 67–85, 1927–45; Regesten der Erzbischöfe und des Domkapitels v. Salzburg, Bd. 1–3, 1928–34; Kleine Landesgeschichte von Salzburg, 1938, 3. Aufl. 1957; Vom Salzburger Fürstenhof um die Mitte des 18. Jh., in: Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde., Jg. 78–80, 1938–40; Aus Salzburgs Vergangenheit, ebenda, Jg. 82/83, 1943; Salzburger Archivberr., 2 Bde., 1944–48; Salzburgs Fürsten in der Barockzeit, 1949, 3. Aufl. 1966; etc. Bearb.: Österr. Kunsttopographie, Bd. 22, 1929, Bd. 25, 1934, Bd. 28, 1940, Bd. 30, 1947. Mitbearb.: Österr. Kunsttopographie, Bd. 9–11, 1912–16, Bd. 13, 1914, Bd. 20, 1927. Hrsg.: Salzburger Urkundenbuch, Bd. 1–4, gem. mit W. Hauthaler, 1910–33.
L.: Österr. Geschichtswiss. der Gegenwart in Selbstdarstellungen, hrsg. von N. Grass, in: Schlern-Schriften 68, 1950, S. 63 ff.; Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde., Jg. 91, 1951, S. 188 ff. (mit Werksverzeichnis); Almanach Wien, 1951; Kürschner, Gel. Kal., 1925–50; Österr. der Gegenwart, bearb. von R. Teichl, 1951; Kosch, Das kath. Deutschland; Santifaller, n. 235; A. Lhotsky, Geschichte des Inst. für österr. Geschichtsforschung 1854–1954, in: MIÖG, Erg.Bd. 17, 1954, S. 344, 348.
(H. Wagner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 27, 1974), S. 113f.
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