Mautner, Konrad; eigentlich Conrad David M., Ps. Adam Konturner (1880–1924), Industrieller und Volkskundler

Mautner Konrad, eigentlich Conrad David M., Ps. Adam Konturner, Industrieller und Volkskundler. Geb. Wien, 23. 2. 1880; gest. ebd., 15. 5. 1924; bis 1917 mos., ab 1919 evang. Enkel von →Isaac (Isaak) Mautner, Sohn von →Isidor Mautner, Bruder von →Stephan (Stefan) Mautner, Vater von Heinrich Matthias Mautner (geb. Wien, 7. 8. 1910; gest. Bad Aussee, Steiermark, 25. 7. 1991), Franz Amadeus Mautner (geb. Wien, 17. 12. 1911; gest. ebd., 16. 2. 1912), Konrad Michael Peregrin Mautner (ab 1946 Michael Christopher Mortimer, geb. Wien, 17. 1. 1919; gest. Fulham / London, GB, 27. 9. 1997), Anna Maria Helene Mautner (geb. Wien, 14. 10. 1920; gest. London, 24. 10. 2010) und des Arztes Lorenz (Lawrence) Sebastian Mautner (geb. Wien, 25. 3. 1914; gest. Toronto, CDN, 2. 5. 1990); ab 1909 verheiratet mit seiner Cousine Anna Constanze Neumann (geb. Wien, 19. 3. 1879; gest. Bad Aussee, 3. 1. 1961), Tochter von Heinrich Neumann und seiner Frau Helene. – M. erhielt krankheitsbedingt seine Schulausbildung überwiegend durch Hauslehrer, darunter den Philosophen Richard Wahle. 1900–01 verbrachte er ein Jahr in den USA, um die dortige Textilindustrie kennenzulernen. Seine Beobachtungen verstärkten seine Skepsis gegenüber der Industriegesellschaft. Dennoch übernahm er mehrere Verwaltungsratsposten in den Unternehmen seines Vaters und wurde 1915 Vorstandsmitglied der Deutschen Textilwerke Mautner AG in Plauen. Gleichzeitig leistete er Kriegsdienst; ab 1917 war er der musikhistorischen Zentrale des Kriegsministeriums in Wien zur Sammlung von Soldatenliedern zugeteilt. Im selben Jahr übernahm er einen Geschäftsführerposten in der von seinem Vater und seinem Bruder geleiteten Pölser Papierfabrik in der Steiermark. Nach dem Verkauf dieses Unternehmens 1921 legte M. auch seinen Vorstandsposten in den Deutschen Textilwerken Mautner nieder und widmete sich verstärkt der Volkskultur des Ausseerlands, der er seit früher Kindheit verbunden war. Bereits nach seiner Eheschließung hatte er seinen Lebensmittelpunkt zunehmend an den Grundlsee verlegt. Dort legte er eine „Trachtenkammer“ für seine wertvolle Sammlung an. 1909 begründete er einen Trachtenverein, organisierte Trachtenfeste und veröffentlichte Studien sowie Bücher zum Brauchtum und Liedgut des Ausseerlandes. Den aufwendigen Druck seines mit eigenen Zeichnungen versehenen „Steyerischen Raspelwerks“ (1910, Reprint 1977, 2005) finanzierte sein Vater. M. widmete seine letzten Lebensjahre dem Projekt eines „Steirischen Trachtenbuchs“, das nach seinem Tod von dem Volkskundler Viktor Geramb fertiggestellt wurde (2 Bde., 1932–35, 7. Lfg. 1939, Neuaufl. 1988). Seine Witwe eröffnete 1935 eine Handdruckerei für Seidenstoffe, die als „Mautner-Drucke“ stilbildend für die Gestaltung der Trachtenstoffe des Ausseerlands wurden. Seit 2006 wird alle zwei Jahre in Wien der Konrad-Mautner-Preis an „Botschafter der Tracht“ verliehen.

Weitere W. (s. auch Martischnig): Unterhaltungen der Gößler Holzknechte, in: Zeitschrift für österreichische Volkskunde 15, 1909; Alte Lieder und Weisen aus dem Steyermärkischen Salzkammergute, 1919 (Reprint 1977); Alpenlieder aus Deutsch-Österreich, 1919 (gem. mit W. Kienzl – V. Zack); Alte Lieder fürs Landvolk, 54 He., 1918ff. (unter Ps., gem. mit Z. Drudmair); Zeichnungen in: R. Zoder, Das Traismaurer Krippenspiel, 1920. – Ed.: M. Abele von Lilienberg, Lob- und Ehren-Spruch von der großen Nutzbarkeit des Edlen und uralten Stahl- und Eisen-Bergwercks-Kleinods in den berühmten Mark Eisenärzt des Landes Steyr … 1655, 1919.
L.: NFP, 17. 5. 1924 (Parte); Prager Tagblatt, 18. 5. 1924 (Parte); V. Geramb, Verewigte Gefährten. Ein Buch der Erinnerung, 1952, S. 57ff.; M. Martischnig, in: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 29, 1980, S. 144ff. (mit W.); „C. M., großes Talent“: ein Wiener Volkskundler aus dem Ausseerland, ed. N. Schönfellinger, 1999 (mit Bild); M. Pollner, Historische Strukturen der Stadtgemeinde Bad Aussee und des Ausseerlandes, 2005, S. 71ff.; W. Hafer, Die anderen Mautners, 2014, s. Reg. (mit Bild); IKG, Wien.
(W. Hafer)  
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 27, 1974), S. 165
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Jenny und Isidor M., im Vordergrund: Konrad, Marie, Käthy, Stephan M., 1887
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