Megerle, Therese; geb. Popp, Ps. Leo Mai (1813-1865), Schriftstellerin

Megerle Therese, geb. Popp, Ps. Leo Mai, Schriftstellerin. * Preßburg, 12. 5. 1813; † Wien, 1. 7. 1865. Mutter des Vorigen, Tochter eines Müllermeisters; heiratete 1829 den Zahnarzt und Chirurgen Georg Megerle, der erst das Theater in Preßburg, dann das Josefstädter Theater in Wien führte. Als er nach Konkursanmeldung (1845) völlig mittellos im Schuldarrest starb, begann Therese M., die ab 1843 mehrere Novellen veröff. hatte, sich als Bühnenschriftstellerin zu betätigen. Sie bearb. meist engl. und französ. Stoffe, ohne auf künstler. Wert Anspruch zu erheben, zu mitunter sehr bühnenwirksamen Theaterstücken. 1850–65 gehörte sie zu den am meisten gespielten Autoren des Josefstädter Theaters. Ihre Bearb. des Romans „Die beiden Grasel“ erlebte mehr als 80 Aufführungen. Von den über 100 Stücken sind nur wenige gedruckt, einige sind in Handschriftensmlg. greifbar. Ihr älterer Sohn, Alfred M. (* 1833), war bis 1863 als Theatersekretär, Tänzer und Choreograph an verschiedenen Bühnen tätig.

W.: Novellen und Erzählungen, 3 Bde., 1844; Zwei Pistolen (Volksdrama), 1852; Ein entlassener Sträfling (Drama), 1852; Onkel Tom, 1853; Obsthändlerin des Kg. (Schauspiel), 1853; Ein Wr. Kind (Volksstück), 1858; Straßentänzerin v. Paris, 1860; Der Waldmichel (hist. Volksstück), 1861; etc. Bühnenbearb.: E. Breier, Die beiden Grasel, 1855.
L.: A. Heinrich, Dt. Bühnenalmanach, 1845–86; E. Müll, Die Familie M. und ihre Beziehungen zum Wr. Theater, phil. Diss. Wien, 1949; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch, Theaterlex.; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 2, S. 337, 556; S. Pataky, Lex. dt. Frauen der Feder 2, 1898; Szinnyei; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; J. Gregor, Das Theater in der Josefstadt, 1924.
(B. Stachel)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 27, 1974), S. 190
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