Meixner, Karl Wilhelm (1815-1888), Schauspieler

Meixner Karl Wilhelm, Schauspieler. * Königsberg (Kaliningrad, Ostpreußen), 16. 11. 1815; † Wien, 5. 9. 1888. Sohn des Bassisten Heinrich M.; trat schon in Leipzig, wo sein Vater gerade engagiert war, mit Erfolg in Kinderrollen auf. M. sollte ursprünglich Jus stud., entschloß sich aber für eine Theaterlaufbahn. Er debut. 1837 in Lüneburg bei der Wandertruppe Th. Müllers (gen. „Franzosenmüller“) und war dann für Chargen und kleine Opernpartien an das Hoftheater in Detmold engagiert. 1839 wurde er von Maurice an das kleine Steinstraßentheater in Hamburg verpflichtet, wo er vor allem in jugendlich-kom. Rollen und als Bonvivant ungewöhnliche Erfolge erzielte, so als Bonjour in Holteis „Die Wiener in Paris“. Ab Herbst 1843 trat er in dem von Maurice neu erbauten Thalia-Theater auf, 1844–47 am Leipziger Stadttheater, wo ihm der künstler. Durchbruch als Charakterdarsteller glückte. 1847/48 spielte er am Hoftheater in Stuttgart, gastierte nach längeren Gastspielen in Berlin und Leipzig 1850 am Burgtheater und wurde sofort engagiert. Bereits im Herbst 1851 wurde er zum k. k. Hofschauspieler ernannt. M. war einer der bedeutendsten Charakterkomiker des Burgtheaters, ein würdiger Rollennachfolger für Beckmann (s. d.) und La Roche (s. d.). Bis zu seinem Tod trat er in etwa 300 Rollen auf, wobei neben seinen Shakespearegestalten vor allem Giboyer und der Dorfrichter Adam zu seinen größten Leistungen zählten. Trotz einer scharf ausgeprägten Persönlichkeit war M. ein ungewöhnlich wandlungsfähiger Charakterkomiker, dessen ursprüngliche kom. Kraft durch einen scharfen Intellekt wirkungsvoll gehoben wurde.

Hauptrollen: Bonjour (K. v. Holtei, Die Wr. in Paris); Abbé v. der Sauce (H. Laube, Rococco); Schmock (G. Freytag, Die Journalisten); Giboyer (E. Augier, Ein Pelikan); Giboyer (ders., Die öff. Meinung); Riccaut de la Marlinière (G. E. Lessing, Minna v. Barnhelm); Vansen (J. W. v. Goethe, Egmont); Totengräber (W. Shakespeare, Hamlet); Wächter (ders., Macbeth); Bleichenwang (ders., Was ihr wollt); Antolicus (ders., Ein Wintermärchen); Dorfrichter Adam (H. Kleist, Der zerbrochene Krug); Knifflich (A. v. Winterfeldt, Der Winkelschreiber); Dr. Wespe (R. Benedix, Dr. Wespe).
L.: N. Fr. Pr. vom 6., 7. und 16. 9. 1888 und 6. 1. 1910; Bühne und Welt, Jg. 9, 1907; Dt. Bühnen-Almanach, 1876, 1878, S. 104, 1888, S. 235 f., 1889, S. 259 ff.; Gettke’s Bühnenalmanach, 1889, S. 96; Eisenberg; O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der dt. Theater, 1892; Kosch. Theaterlex.; H. A. Mansfeld, Theaterleute in den Akten der k. k. Obersten Hoftheaterverwaltung von 1792–1867, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung, Jg. 13, 1961, S. 101; Wurzbach; Künstleralbum, Bd. 2, 1879; Dekamerone vom Burgtheater, 1880; H. Bahr, Wr. Theater, 1889; ders., Das Burgtheater, 1891, S. 151, 153, 208, 337; R. Lothar, Das Burgtheater, 1899; R. Lothar–J. Stern, 50 Jahre Hoftheater, in: Dichter und Darsteller 2, 1900; R. Tyrolt, Allerlei von Theater und Kunst, 1909; L. Speidel, Schauspieler, 1911; Rub; R. Tyrolt, Theater und Schauspieler, 1927; P. Schlenther, Theater im 19. Jh., in: Schriften der Ges. für Theatergeschichte, Bd. 40, 1930; 175 Jahre Burgtheater, 1954.
(E. Marktl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 28, 1974), S. 205f.
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