Metternich-Sándor, Pauline Fürstin; geb. Sándor von Slavnica, verehel. Metternich-Winneburg, ab 1897 Metternich-Sándor (1836-1921), Philanthropin

Metternich-Sándor Pauline Fürstin, Philanthropin. * Wien, 25. 2. 1836; † Wien, 18. 9. 1921. Enkelin und Schwiegertochter des Folgenden, Tochter der Leontine Gfn. M. (der Tochter des Staatskanzlers aus dessen erster Ehe mit M. E. Fürstin Kaunitz-Rietberg, 1775–1825) und Gf. Moritz Sándors v. Slavnica, der wegen seiner Körperkraft und mutigen Reiterkunststücke im vormärzlichen Wien eine stadtbekannte Persönlichkeit war. M.-S. heiratete 1856 ihren Onkel, Richard Fürst Metternich-Winneburg (s. d.), und hatte bald Gelegenheit, am sächs. Königshof, wo ihr Mann ab 1856 Gesandter war, ihre erstaunlichen gesellschaftlichen Talente zu zeigen. 1859 wurde ihr Mann Botschafter in Paris, wo es dem Ehepaar bald gelang, das Ansehen Österr. in vollem Ausmaße wiederherzustellen und, ohne fremden Einflüssen zu unterliegen, ein geradezu freundschaftliches Verhältnis zu Napoleon III. und bes. zu Kn. Eugenie zu erreichen. M.-S. kreierte Moden und verkehrte u. a. mit F. Liszt (s. d.) und Wagner. 1870 kehrte sie nach Wien zurück und fand nun ihre Lebensaufgabe, angefangen von den 70er Jahren bis in den Ersten Weltkrieg hinein, in der Mobilmachung privater Initiativen und Geldmittel in erstaunlicher Größenordnung zur Förderung der Wohltätigkeit und des kulturellen Lebens. Ihre Frühlingsfeste im Prater sowie der berühmte Blumenkorso, Belvedere-, Augarten- und Rotundenfeste zogen breite Bevölkerungskreise an, indessen andere Veranstaltungen in Salons, Konzertsälen und Theatern dem elitären Geschmack entgegenkamen. Sie machten M.-S. zu einer Persönlichkeit von größter Popularität im franzisko-josephin. Wien, die sich auch ihrer Feinde zu erwehren wußte. M.-S. protegierte bes. die Poliklinik und die Freiwillige Rettungsges. Aber auch die weiträumige Internationale Theater- und Musikausst. von 1892, die auf alle Geschmacksrichtungen Rücksicht nahm, wäre ohne ihre Mitwirkung nicht zu ihrer in Europa einmaligen Bedeutung gelangt. Durch den Ersten Weltkrieg riß ihre persönliche Fühlungnahme mit dem väterlichen Erbgut Bajna b. Gran ab, das sie in patriarchal. Weise musterhaft betreut hatte. Als österr. Patriotin lehnte sie den ung. Separatismus ab, ohne aber in diesem Falle in die polit. Sphäre unmittelbar einzugreifen. Ab 1897 führte sie den Doppelnamen M.-Sándor.

L.: P. M.-S., Geschehenes, Gesehenes, Erlebtes, 1920 (autobiograph.); dies., Éclairs de Paris, 1922 (autobiograph.); Die Presse vom 26. 2. 1961; Neue illustrierte Wochenschau vom 20. 2. 1966; Die Furche vom 18. 12. 1971; Th. Wassilko, Fürstin P. M., 1958; Lex. der Frau; W. Kosch, Biograph. Staatshdb., Bd. 2, 1963 (bei Richard M.); N. Österr. Biogr., Bd. 3, 1926, S. 43 ff.; E. C. C. Corti, Metternich und die Frauen, Bd. 2, 1949, S. 459 f.; Th. Wassilko, Die Wr. Musik- und Theaterausst. 1892, in: Mitt. des Österr. Staatsarchivs, Bd. 7, 1954, S. 457 ff.
(R. Lorenz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 28, 1974), S. 248f.
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