Metternich-Winneburg, Richard Klemens Fürst (1829-1895), Diplomat

Metternich-Winneburg Richard Klemens Fürst, Diplomat. * Wien, 7. 1. 1829; † Wien, 1. 3. 1895. Sohn des Vorigen aus dessen zweiter Ehe mit Antoinette Freiin v. Leykam (1806–29), Onkel und ab 1856 Gatte der Philanthropin Pauline Fürstin M.-S. (s. d.); ein Spielgefährte des Erzh. Franz Joseph (s. d.), des späteren K., wurde er von Stifter in den Naturwiss. unterrichtet. 1844–47 stud. er an der Univ. Wien Phil. und Jus und schlug die diplomat. Laufbahn ein. 1850 Gesandtschaftsattaché in Paris, 1856 Gesandter in Dresden. Kaum war im Züricher Frieden (November 1859) die Abtretung der Lombardei besiegelt, als durch die Entsendung M.s zum Botschafter am Pariser Hofe (Dezember 1859) ein entschlossener Anlauf zur Versöhnung mit Frankreich gemacht wurde. Die gesellschaftlichen Erfolge der M.s, bes. auch bei Kn. Eugenie, vermochten allerdings den Kurs Napoleons III. nie eindeutig in die von Wien erwünschte Richtung zu lenken. Die Sicherstellung von Frankreichs Neutralität im Krieg von 1866 war schwierig, solange Napoleon eine Niederlage Berlins erwartete, und als diese Fehlberechnung offenbar wurde, bemühte sich M. vergeblich um eine bewaffnete Intervention zugunsten der Österr.-ung. Monarchie. Die Pariser Weltausst. von 1867 ging unter lebhafter Beteiligung der M.s vor sich und ihr Erfolg war es, daß Napoleon den K. v. Österr. als Gast empfangen konnte. Als M. 1869 in eine Duellaffaire verwickelt war und um Enthebung von seinem Posten bat, wurde ihm wegen Unentbehrlichkeit nur ein kurzer Urlaub bewilligt. Nach dem Sturz des Zweiten französ. Kaiserreichs sicherte M., der Weisung seiner Regierung folgend, die Flucht Kn. Eugenies nach England und hielt die Verbindung mit der provisor. republikan. Regierung aufrecht, bis er Ende 1871 aus dem Staatsdienst scheiden konnte, um sich der Verwaltung seines großen Fideikommisses zu widmen. In harmon. Zusammenwirken mit seiner populären Frau nahm der musikal. sehr begabte Fürst in seiner noch über zwei Jahrzehnte währenden Wr. Periode ein kulturelles Mäzenatentum wahr, während er als Herrenhausmitgl. und Gründer einer kleinen „Mittelpartei“ weniger hervortrat. Nach seinem Tode ging das M.sche Fideikommiß auf die jüngere Linie seines Bruders, des Gen. Paul M., über. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Inhaber des Ordens vom Goldenen Vlies.

W.: Hrsg.: K. W. Metternich, Aus nachgelassenen Papieren, 8 Bde., red. von A. v. Klinkowström, 1880–84; Österr. Teilnahme an den Befreiungskriegen, red. von A. v. Klinkowström, 1887.
L.: N. Fr. Pr. vom 1., 2. und 5. 3. 1895; Český časopis historický 1, 1895, S. 135; H. Salomon, L’Ambassade de R. de M. à Paris, 1931; H. Vestner Forgó, R. Fürst M., phil. Diss. Wien, 1966; Parlamentar. Jb., Jg. 4, 1891; Knauer; W. Kosch, Biograph. Staatshdb., Bd. 2, 1963; Kosch, Das kath. Deutschland; R. Stritzko–F. Hirth, Heines Nachlass und die österr. Regierung, in: Österr. Rundschau, Bd. 44, 1915, S. 95 f., 142 ff.; H. v. Srbik, M., Bd. 2, 1925, s. Reg.; vgl. auch L. bei Pauline M.-Sándor.
(R. Lorenz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 28, 1974), S. 250
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