Meurer, Julius (1838-1923), Vereinsfunktionär, Schriftsteller und Alpinist

Meurer Julius, Vereinsfunktionär, Schriftsteller und Alpinist. * Leipzig, 13. 1. 1838; † Wels (OÖ), 19. 3. 1923. Stud. Land- und Forstwirtschaft; machte als Lt. den Feldzug von 1866 in Italien mit (1906 als Rtm. d. Res. abgerüstet) und wurde schließlich Dion.Rat einer großen Bergwerk-Industrie-AG. Anfangs Mitgl. des ÖTK. 1878 gründete er gem. mit anderen einen Ver., zuerst „Alpenklub Österreich“ genannt, der aber bald als Österr. Alpenklub (ÖAK) bekannt wurde. M. wurde schon 1880 Präs. des ÖAK und war zugleich auch Schriftleiter der von ihm 1879 ins Leben gerufenen Österr. Alpen-Ztg. (ÖAZ). Er vermochte die streng eingestellten Bergsteiger der damaligen Zeit an den ÖAK zu fesseln, den ÖAK zum führenden hochalpinen Ver. und die ÖAZ zum führenden hochalpinen Bl. im dt.sprachigen Raum zu machen. Als er aber den ÖAK durch die Gründung von vielen Sektionen und durch die Erbauung von zahlreichen Schutzhütten als ernsten Konkurrenten für den Dt. und österr. Alpenver. und den ÖTK aufziehen wollte, stieß er auf starken Widerstand, da die Mehrheit der Mitgl. des ÖAK nur ein Sammelpunkt von streng eingestellten Bergsteigern sein wollte; er legte daher 1887 die Präsidentschaft beim ÖAK zurück und wurde wieder Mitarbeiter beim ÖTK, zuerst als Schriftleiter der ÖTZ (ab 1888), später (1891–96) als Präs. des ÖTK. Unter seiner Ägide bekam der ÖTK neue Schutzhütten, wie die Dümlerhütte am Warscheneck, das Proslschutzhaus auf der Mugelkuppe b. Leoben und die Bertgenhütte am Hochkönig. Doch auch im ÖTK wurde er schließlich zu Beginn 1896 von einer starken Opposition gestürzt, worauf er sich enttäuscht vom alpinen Vereinsleben, das ihm so viele wertvolle Anregungen zu verdanken hatte (wobei bes. sein in der ersten Zeit geführter Kampf gegen das alpine Philistertum von zeitloser Bedeutung wurde), ganz zurückzog. M. machte dann große Reisen in verschiedene Teile Europas sowie in andere Erdteile und übersiedelte 1900 nach Meran. Ab 1856 ausübender Bergsteiger, ging er noch im hohen Alter alljährlich in die Berge und kannte die meisten bedeutenden Gipfel in den Ost- und Westalpen; als Verfasser von alpinen Fach- und Führerwerken entwickelte er schon ab den 80er Jahren eine umfassende Tätigkeit.

Erste Erst.: Pala di San Martino (1878), Palagruppe, Dolomiten. Erste Begehungen: Königsspitze, neuer Zustieg zum oberen Suldengrat (1878), Ortlergruppe; Weißkugel aus dem Langtauferer Tal (1881), Ötztaler Alpen. Erste Wintererst.: Hochfeiler (1882), Zillertaler Alpen. Begleiter: H. Gericke, J. Lautner, A. und Ch. de Liagre, E. Meurer, geb. Blank (seine 3. Gemahlin, Mitgl. des ÖAK 1899–1911, Grundwald, n. 2977), F. J. Oesterreicher, A. Markgf. Pallavicini. Führer: M. Bettega, P. Dangl, A. Dimai, M. Fahrner, H. Hörhager, J. Hofer, A. und J. Pinggera, Ch. Pircher, S. Siorpaës, G. und J. Spechtenhauser, J. Teimer, A. Volgger. W.: Hdb. des alpinen Sportes, 1882; Katechismus für Bergsteiger, 1892; Der Bergsteiger im Hochgebirge, gem. mit J. Rabl, 1893; zahlreiche Abhh. in ÖAZ, 1879–87, und ÖTZ, 1888–96; zahlreiche Reise- und Touristenführer; Tourenberr. in: Mitt. DÖAV, 1878, S. 166, ÖAZ, 1879, S. 49, 169, 1882, S. 196, 292, 1883, S. 33 ff.
L.: N. Fr. Pr. vom 22. 3. 1923; ÖAZ, 1885, S. 88 f. (alle bis 1884 ausgeführten Bergfahrten), 1923, S. 79, 105 ff.; ÖTZ, 1923, S. 83, 1949, Festn. zum 80jährigen Bestand des ÖTK, S. 4 f.; Mitt. DÖAV, 1923, S. 29; Wer ist’s? 1905–14; EOA; WB; Hundert Jahre ÖTK, 1969, S. 20, 26; Grundwald, n. 3.
(R. Hösch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 28, 1974), S. 253f.
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