Milčinski, Fran; Ps. Jakob Dolinar, F. M. Žolna (1867-1932), Jurist und Schriftsteller

Milčinski Fran, Ps. Jakob Dolinar, F. M. Žolna, Jurist und Schriftsteller. * Laas (Lož, Innerkrain), 3. 12. 1867; † Laibach, 24. 10. 1932. Tschech. Abstammung; stud. ab 1885 an der Univ. Wien Jus und übte ab 1890 den Richterberuf aus. 1920 Rat des Obersten Gerichtshofes in Agram (Septemviraltafel), ging er auf eigenen Wunsch i. R. und war in Laibach als Advokat tätig. Als Jugend- und Vormundschaftsrichter gründete und leitete M. beim Bez. Gericht Laibach eine der ersten Jugendfürsorgeabt. in Österr. und weckte mit Publ. und Vorträgen das Interesse der Fachkreise, insbes. in der Vereinigung „Pravnik“ (Der Jurist). M., ein Meister des humorist. und satir. Feuilletons, beschrieb und kommentierte das Tagesgeschehen in den Ztg. „Slovenski narod“ (Slowen. Volk) und „Jutro“ (Morgen), schrieb Kinder- und Jugendgeschichten und Nacherzählungen slowen. Märchen und Volkslieder. M.s berufliche Tätigkeit inspirierte ihn zu „Ptički brez gnezda“ (Die nestlosen Vöglein), das mehrmals aufgelegt und auch übers. wurde. Die Sprache M.s ist sehr lebhaft, bildreich und volkstümlich. Er verfaßte auch kürzere Jugend- und Lustspiele aus dem kleinbürgerlichen Milieu und dramatisierte Volksmotive.

W.: Die Ursachen, Erscheinungsformen und die Ausbreitung der Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen in Österr., in: Schriften des ersten Österr. Kinderschutzkongresses, 1907; Išče se Uršo Plut (U. P. wird gesucht), 1907; Aus der Werkstätte des Jugendrichters, 1910; Prakt. Fürsorge ohne Fürsorgegesetz, in: Z. für Kinderschutz, 1911; Pravljice (Märchen), 1911, 2. Aufl. 1931, dt.: Slowen. Volksmärchen, 1948; Muhoborci (Kämpfer gegen Fliegen), 1912; Ptički brez gnezda (Die nestlosen Vöglein), 1917; Suha roba (Holzwaren), 1919; Drobiž (Kleinzeug), 1921; Gospod Fridolin Žolna in njegova družina (Herr F. Specht und seine Familie), 1923; etc. Cvetje in trnje . . . ali izbrane povesti, humoreske in satire (Blüten und Dornen . . . oder ausgewählte Erzählungen, Humoresken und Satiren), 1948; Zbrani spisi (Ges. Werke), hrsg. von B. Slodnjak, 2 Bde., 1960.
L.: Jutro, 1932, n. 249, 250; Slovenec, 1932, n. 245; Slovenski narod, 1932, n. 243; Ljubljanski zvon, 1932, S. 718; K. Vrhovec, F. M. – vzgojnik (F. M. – Der Erzieher), 1939; Kindlers Literaturlex., Bd. 5, 1969; SBL; Enc. Jug.; Nar. Enc.; A. Slodnjak, Geschichte der slowen. Literatur, 1958, S. 288; Zgodovina slovenskega slovstva (Geschichte der slowen. Literatur), Bd. 5, 1964, S. 318 ff.
(N. Gspan)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 292
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