Millöcker, Karl (1842-1899), Komponist

Millöcker Karl, Komponist. * Wien, 29. 4. 1842; † Baden (NÖ), 31. 12. 1899. Als Sohn eines Goldschmiedes war M. ebenfalls für dieses Handwerk bestimmt, konnte jedoch ein Flötenstud. (1855–58) am Konservatorium der Ges. der Musikfreunde in Wien unter F. J. Zierer durchsetzen. Diese Ausbildung wurde nach der theoret. Seite durch Laimegger (s. d.), wahrscheinlich auch durch Instruktionen Suppés vervollständigt. 1858 erhielt M. ein Engagement als Flötist am Theater in der Josefstadt, 1864 als Kapellmeister am Grazer Thalia-Theater, beides vermutlich durch Empfehlungen Suppés. 1866 wurde er Kapellmeister am Theater a. d. Wien, nach wenigen Monaten aber als unbrauchbar entlassen. Er erhielt eine Kapellmeisterstelle am Harmonietheater (später Orpheum) in Wien und 1867/68 am Dt. Theater in Pest. Nach dessen Schließung kehrte er 1869 nach Wien zurück und wurde wieder Kapellmeister des Theaters a. d. Wien, das er, als ihm der Erfolg des „Bettelstudenten“ ein Leben als freischaffender Komponist ermöglichte, 1883 verließ. In seinen letzten Lebensjahren verlebte er den Sommer in Baden, wo er ein Haus besaß und in der Sängerin Karoline Hofschneider eine Lebensgefährtin (angeblich war er vorher mit einer Sängerin namens Kling verheiratet) hatte. Kurz vor seinem Tod übersiedelte er ganz nach Baden. Das dortige Rollett-Mus. besitzt auf Grund testamentar. Verfügung des Komponisten seinen Nachlaß. Der Mangel einer gründlichen Arbeit über M.s Leben und Werke läßt in vielen Punkten über ihn nur unsichere Aussagen zu. Er ist nach Suppé und Strauß der dritte große Repräsentant der sog. „klassischen“ („goldenen“) Ära der Wr. Operette. Mit großen Erfolgsoperetten trat er allerdings erst hervor, als die Gattung durch die beiden anderen Meister bereits ihre Etablierung und Ausformung erfahren hatte. Als M.s Stärke gilt eher das Detail, die zugkräftige und auch dramat. wirksame Einzelnummer. Verschiedene seiner Werke wurden während der zweiten Glanzzeit der Operette in den 30er Jahren mit Erfolg (u. a. „Die Dubarry“ von Th. Mackeben etc.) neubearb.

W.: Bühnenmusik zu Lokalstücken, u. a. zu Werken L. Anzengrubers; heitere Lieder; Tänze für Klavier. Operetten: Gräfin Dubarry, 1879, Der Bettelstudent, 1882, Gasparone, 1884, alle nach Texten von F. Zell und R. Genée; Der arme Jonathan, 1890, nach Text von H. Wittmann und J. Bauer; etc. Hrsg.: Musikal. Presse, Monatshe. interessanter Pianoforte-Musik nebst literar. Beilagen, Jg. 1–3, 1873–76.
L.: N. Fr. Pr. vom 2., 4., 6. und 9. 1. 1900; Badener Ztg. vom 9. 5. 1925 (Festgabe); Ws. für Kunst und Musik, Jg. 3, 1905, S. 168 ff. (in Fortsetzungen); Die Musik in Geschichte und Gegenwart; Enc. dello spettacolo, Bd. 7, 1960; Frank–Altmann; Kosch, Theaterlex.; Riemann; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Rollett, Neue Beiträge, Tl. 13, 1900, S. 2; N. Österr. Biogr., Bd. 8, 1935, S. 101 ff.; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; Biograph. Jb., 1900; E. Rieger, Offenbach und seine Wr. Schule, 1920; O. Keller, Die Operette in ihrer geschichtlichen Entwicklung, 1926; F. Hadamowsky–H. Otte, Die Wr. Operette, 1947; A. Bauer, 150 Jahre Theater a. d. Wien, 1952; E. Nick, Vom Wr. Walzer zur Wr. Operette, 1954.
(Th. Antonicek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 307
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