Mitterwurzer, Anton Georg (1818-1876), Sänger

Mitterwurzer Anton Georg, Sänger. * Sterzing (Südtirol), 12. 4. 1818; † Wien-Döbling, 2. 4. 1876. Vater des Vorigen, Schwiegervater der Folgenden; Neffe des Domkapellmeisters J. B. Gänsbacher (s. d.), der ihn 1825 zu sich nach Wien nahm, wo M. die Schule zu St. Stephan besuchte und Sängerknabe im Wr. Domchor wurde. Neben Klavier- und Violinunterricht erhielt er von seinem Onkel Gesangunterricht. 16jährig wurde er als Lehrer beim Musikver. in Innsbruck angestellt, wo er 1836 als Kapitän Johann in der Oper „Die Falschmünzer“ am Stadttheater debut. 1838 schloß er sich einer reisenden Ges. an. Nach einem erfolgreichen Gastspiel in Hannover (1839) debut. er am Hoftheater in Dresden, wo er sofort engagiert wurde und dem Ensemble als eines der beliebtesten Mitgl. bis zu seiner Pensionierung (1870) angehörte. M., ein Bariton, dem vor allem Rollen mit einem phantast.-romant. Zug lagen, war ein idealer Interpret Marschners und Wagners, mit dem er befreundet war. Bei einem seiner zahlreichen Gastspiele kreierte er bei der Uraufführung von „Tristan und Isolde“ 1865 die Rolle des Kurwenal. M. war ab 1841 mit der Dresdner Hofschauspielerin A. Herold verheiratet.

Hauptrollen: Jäger (K. Kreutzer, Das Nachtlager v. Granada); Wolfram (R. Wagner, Tannhäuser); Telramund (ders., Lohengrin); Sachs (ders., Die Meistersinger v. Nürnberg); Holländer (ders., Der fliegende Holländer); Don Giovanni (W. A. Mozart, Don Giovanni); Tell (G. Rossini, Wilhelm Tell); Heiling (H. Marschner, Hans Heiling); etc.
L.: Tiroler Stimmen und Innsbrucker Tagbl. vom 11. 4. 1876; Innsbrucker Nachr. vom 12. 4. 1918 und 12. 4. 1926; Wr. Allg. Theaterztg. vom 27. 7. 1844; Der Schlern, Bd. 14, 1933, S. 333 ff.; M. Schloss, A. M.s 25jährige Wirksamkeit am Kgl. Hoftheater in Dresden, 1864; Eisenberg; O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der dt. Theater, 1892; Frank–Altmann; Kosch, Theaterlex.; H. A. Mansfeld, Theaterleute in den Akten der k. k. Obersten Hoftheaterverwaltung von 1792–1867, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung, Jg. 13, 1961, S. 103; Moser; Riemann; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; A. Dörrer, Tirol in Sterzing, 1964, S. 61 ff.; E. Devrient, Aus seinen Tagebüchern 1836–70, 2 Bde., hrsg. von R. Kabel, in: Veröff. der Dt. Akad. der Künste zu Berlin, 1964; F. Englisch, Die Döblinger Privatirrenanstalt, in: Wr. Geschichtsbll., Jg. 84, 1969, S. 403.
(E. Marktl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 327f.
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