Molitor, Simon (1766-1848), Musiker

Molitor Simon, Musiker. * Neckarsulm (Württemberg), 3. 11. 1766; † Wien, 21. 2. 1848. Erhielt von seinem Vater, Johann Michael M., den ersten Unterricht. Er sollte Lehrer werden, verließ jedoch 1784 heimlich die Univ. und führte ein Wanderleben als Musikant. 1796/97 erscheint er als Orchesterdir. in Venedig, wo er ein kleines Vermögen erworben haben dürfte. 1798 wurde er auf Wunsch seiner Eltern Beamter im österr. Kriegskommissariat, diente möglicherweise 1799 in der Armee Erzh. Karls (s. d.), dürfte 1802 nach Wien zurückgekehrt sein und wurde hier Adjunkt der Garnisonsverpflegungsverwaltung. Neben dieser Tätigkeit stud. er 1803/04 bei Vogler Musik. 1805 befand er sich vermutlich wieder im Feld. Nach seiner Beamtenlaufbahn wurde er 1831 pensioniert und lebte seither nur noch seinen musikal. Neigungen. M. legte eine wertvolle Musikaliensmlg. an und nahm Anteil an den musikhist. Bestrebungen seiner Wr. Zeitgenossen, u. a. R. G. Kiesewetters (s. d.). Er veranstaltete selbst Konzerte (Quartettabende mit A. Fuchs, L. Jansa, s. d., J. Böhm) und gehörte außerdem zu den Pionieren des Gitarrespiels in Wien.

W.: Gitarrekompositionen für Solo- und Kammermusikbesetzung; Klaviermusik; 3 Violinkonzerte; Lieder und mehrstimmige Gesänge; Versuch einer vollständigen method. Anleitung zum Guitarrespielen, gem. mit R. Klinger, 1799; musikhist. Aufzeichnungen und Beispielsmlg. zur Musikgeschichte, Manuskripte, Österr. Nationalbibl., Wien.
L.: Eitner; Riemann; Wurzbach; J. Zuth, S. M. und die Wr. Gitarristik, 1920; H. Klier, R. G. Kiesewetter (1773–1850), Wegbereiter des musikal. Historismus, 1968.
(Th. Antonicek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 351f.
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