Moscheles, Ignaz (Isaak) (1794-1870), Pianist und Komponist

Moscheles Ignaz (Isaak), Klaviervirtuose und Komponist. * Prag, 23. 5. 1794; † Leipzig, 10. 3. 1870. Sohn des musikliebenden Tuchfabrikanten Joachim M.; erhielt Klavierunterricht durch Zadrakha und Horzelsky, ab 1804 durch D. Weber. 1808–20 lebte er in Wien und stud. bei Streicher, Albrechtsberger und Salieri. M. unterrichtete selbst, auch in der besten Ges. M., dessen Ruhm als Pianist und Komponist (seine Variationen über den Alexander-Marsch von 1815 blieben jahrzehntelang ein Prüfstein pianist. Virtuosität) ständig wuchs, trat in Prag, Leipzig und Dresden auf. 1820 machte er ausgedehnte Reisen durch Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und England und hielt sich auch wieder länger in Wien (1823) und Prag (1824) auf. 1824 begann in Berlin die Freundschaft mit F. Mendelssohn, die bis zu dessen Tode dauerte. 1825 übersiedelte M. nach London und gehörte durch zwei Jahrzehnte als Komponist, Pianist, Dirigent und Organisator zu den führenden Persönlichkeiten des Musiklebens. 1846 übernahm er auf Mendelssohns Betreiben die Oberleitung des Klavierstud. am Konservatorium in Leipzig. M. war einer der großen Pianisten seiner Zeit und setzte sich vor allem für Beethoven (s. d.), unter dessen Leitung er 1814 den ersten Klavierauszug des „Fidelio“ hergestellt hatte, ein. In Beethovens letzten Lebensmonaten bemühte er sich tatkräftig um dessen Unterstützung durch die Londoner Philharmonic Society.

W.: Klaviermusik, u. a. Variationen über den Alexander-Marsch, opus 32, 1815; 8 Klavierkonzerte; Klavierkammermusik; Lieder; Bearb. von Werken anderer Komponisten.
L.: Aus M.s Leben. Nach Briefen und Tagebüchern hrsg. von Ch. Moscheles, 1872; I. M., Fragments of an Autobiography, 1899; Die Musik in Geschichte und Gegenwart; Riemann; Wininger; Wurzbach; ADB; Enc. Jud.; Jew. Enc.; Jüd. Lex.; Masaryk; Otto 17; Briefe von F. Mendelssohn-Bartholdy an I. und Ch. M., hrsg. von F. Moscheles, 1888; Themat. Verzeichnis im Druck erschienener Compositionen von I. M., 1885, Nachdruck 1966.
(Th. Antonicek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 382f.
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