Moser, Michael (1853–1912), Photograph

Moser Michael, Photograph. Geb. Altaussee (Steiermark), 3. 5. 1853; gest. Bad Aussee (Steiermark), 24. 11. 1912. Eines von sieben Kindern des Kleinhäuslers und Salzbergarbeiters Joachim Moser und seiner Frau Eva Moser, geb. Rastl, Bruder des Photographen Eusebius Moser; ab 1889 mit Franziska Moser, geb. Frühwirth, verheiratet, die als Retuscheurin im Atelier Angerer in Wien gearbeitet hatte. – Nach dem Besuch der Grundschule führte eine Begegnung mit →Wilhelm J(oseph) Burger 1867 zu seiner Einstellung als Lehrling in dessen Photostudio in Wien. 1868–70 begleitete er Burger auf der österreichischen Ostasien-Expedition. Die aus den beiden Schiffen „Donau“ und „Erzherzog Friedrich“ bestehende Expedition verließ Triest Mitte Oktober 1868 und erreichte über Kapstadt, Singapur, Hongkong und Schanghai im September 1869 Nagasaki; in Yokohama liefen die Schiffe Anfang Oktober ein. Nach der Erfüllung ihrer Aufgaben, v. a. dem Abschluss eines Handelsvertrags mit Japan, entschied sich M. als einziges Delegationsmitglied, in Japan zu bleiben. Zunächst war er etwa sechs Monate im Fremdenviertel von Yokohama in einem Gasthaus als Schankbursche tätig und begann Englisch und Japanisch zu lernen. Die Bekanntschaft mit einem Franzosen führte zum Entschluss, seine photographischen Kenntnisse beruflich anzuwenden und in Yokohama ein gemeinsames Photoatelier zu gründen. Ihr aus Holz errichtetes Haus wurde jedoch wenige Monate später durch einen Taifun vernichtet. In dieser Notlage wandte sich M. an den Engländer John Reddie Black, der als Herausgeber der „Japan Gazette“ und des Zweiwochenmagazins „The Far East“ in Japan Fuß gefasst hatte, und dieser nahm M. – v. a. für das Bildmagazin „The Far East“ – in seine Dienste. In dieser Funktion bereiste M. das Land und machte Aufnahmen von Landschaften, Gebäuden und Bewohnern. Seine zunehmende Bekanntheit in japanischen und ausländischen Kreisen sowie seine österreichische Herkunft führten dazu, dass er in die japanische Ausstellungskommission aufgenommen wurde, um als Berater und Dolmetsch Anfang 1873 nach Wien zur Weltausstellung zu reisen. Danach unternahm er im Auftrag seiner Dienstgeber spezielle phototechnische Studien bei dem italienischen Photographen Carlo Naya in Venedig. Nach seiner Rückkehr im Mai 1874 lebte er in Tokio, wo er weiterhin in Regierungsdiensten tätig war. 1876 begleitete er eine japanische Delegation zur Weltausstellung nach Philadelphia. Auf Grund einer ernsten Erkrankung entschloss er sich anschließend jedoch zur Rückkehr nach Österreich. In seinem Elternhaus in Altaussee gründete er 1877 zusammen mit seinem Bruder Eusebius, der ebenfalls bei Burger die Photographie erlernt hatte, ein Atelier. 1878 erhielt er nochmals einen Ruf der japanischen Regierung, bei der Pariser Weltausstellung behilflich zu sein. M.s photographische Tätigkeit im steirischen Salzkammergut entwickelte sich dermaßen erfolgreich, dass er 1880 ein großes Atelier in Bad Aussee eröffnen konnte, das besonders von Sommerfrischlern gern aufgesucht wurde. Im selben Jahr erhielt er für seine Arbeiten den Silbernen Staatspreis. M. war ab 1880 Mitglied der Photographischen Gesellschaft. Ein Großteil seiner Sammlung an Abzügen, insbesondere von Originalnegativen aus Japan, sowie Tagebücher befinden sich teils in Privatbesitz, teils im Kammerhofmuseum in Bad Aussee.

L.: Gmundner Wochenblatt, 12. 6. 1877; P. Rosegger, in: Heimgarten 1, 1876/77, H. 9, S. 40ff.; Geschichte der Fotografie in Österreich 2, ed. O. Hochreiter – T. Starl, Bad Ischl 1983 (Kat.); J. Linortner, in: Da schau her. Beiträge aus dem Kulturleben des Bezirkes Liezen 8, 1987, F. 4, S. 13ff.; K. Zwerger, in: Archiv. Archiv für Völkerkunde 53, 2003, S. 55ff.; T. Starl, Bio-Bibliografie zur Fotografie in Österreich, http://sammlungenonline.albertina.at (Zugriff 2. 3. 2015).
(N. Miyata)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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