Mosing, Guido Konrad; Ps. Guido Conrad (1824-1907), Politiker, Schriftsteller und Beamter

Mosing Guido Konrad, Ps. Guido Conrad, Politiker, Schriftsteller und Beamter. * Wien, 23. 2. 1824; † Wien, 1. 11. 1907. Stud. an der Univ. Wien Jus, 1844 Dr. jur. Schon während seines Stud. bekundete M. reges Interesse für Politik und nahm u. a. zu Joh. Nep. Berger (s. d.) und Giskra (s. d.) Beziehungen auf. Nach der Advokatursprüfung trat M. in den Dienst der Hofkammerprokuratur. 1848 war er chargierter Angehöriger der Akad. Legion. 1849 wurde er als jüngster Abg. in das Frankfurter Parlament gewählt, stand dort auf seiten des linken Zentrums und wurde als Redner hoch geschätzt. 1859 trat M. in den vorzeitigen Ruhestand, war aber ab 1877 wieder im Staatsdienst als Beamter im Reichsfinanzarchiv tätig. M.s schriftsteller. Werk umfaßt außer zahlreichen polit. Schriften und kunstkrit. Abhh. hauptsächlich dramat. Dichtungen. Er gelangte damit jedoch nicht zu der erstrebten Bühnenwirksamkeit. Seine Schauspiele sind handlungsarm und mit weltanschaulichen Betrachtungen überlastet. Die Stoffe zu seinen Stücken wählte M. vorwiegend aus der Antike. Mit „Phädra“ erwarb er die Anerkennung Grillparzers (s. d.), der ihm seine „Sappho“ widmete. Die Verwendung verschiedenartiger, der Handlung angepaßter Versformen entsprach M.s differenziert-gedanklicher Durchdringung des Stoffes. Er verfaßte auch Bühnendichtungen in französ. Sprache.

W.: Dramen: Die letzten Messenier, 1855; Das Fräulein v. Laury, 1871; Atho, der Priesterkg., 1877. Beitrr. in Z. und Ztg.
L.: N. Fr. Pr. vom 2. 11. 1907; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, S. 151, 687, 692 f.; H. Niebour, Die Abg. NÖ bei der Dt. Nationalversmlg. in Frankfurt am Main, in: Jb. der Ges. für Landeskde. von NÖ, Jg. 12, 1913, S. 136; Biograph. Jb., 1909.
(V. Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 30, 1975), S. 392
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