Mucha, Viktor (1877-1933), Dermatologe

Mucha Viktor, Dermatologe. * Königgrätz (Hradec Králové, Böhmen), 17. 4. 1877; Wien, 6. 6. 1933. Sohn des Dir. des Wr. Allg. Krankenhauses, Viktor M. (1845–1919), der sich erfolgreich um die Modernisierung und Ausgestaltung der med. und wirtschaftlichen Einrichtungen dieser Anstalt bemühte; M. absolv. seine med. Stud. an den Univ. Wien (1898–1903) und Straßburg (1901/02), 1904 Dr. med. Während seines Stud. war er 1901 und 1902–04 als Demonstrator bei E. Ludwig (s. d.) tätig; er erweiterte als junger Arzt seine Kenntnisse bei Weichselbaum, Ghon (s. d.) und Schroetter, bevor er 1905 in die Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Finger, s. d.) eintrat. 1910 wurde M. erster Ass., 1912 Priv. Doz. für Dermatol. und Syphilidol. 1921 tit. ao. Prof. 1909–13 war er Konsiliararzt im Kn. Elisabethspital, Wien XIV., 1913/14 im St. Anna-Kinderspital, Wien IX. Im Kriege diente er in Lazaretten in Wien und an der Ostfront. 1919 übernahm er eine Sonderheilanstalt für geschlechtskranke Frauen in Wien-Meidling, die auf Initiative Tandlers 1921 nach Klosterneuburg verlegt wurde. M. wurde dort Primararzt und Leiter des Hauses, in dem er neben der med. Betreuung der Patientinnen auch soziale und fürsorger. Fragen zu lösen hatte. Mit Landsteiner (s. d.) empfahl M. 1906 erstmalig die Dunkelfeldeinrichtung zum Nachweis der Spirochaeta pallida und beschrieb als neues Krankheitsbild die Pytiriasis lichenoides varioliformis acuta. Seine weiteren Arbeitsgebiete betrafen vor allem die Raynaudsche Gangrän, den varikösen Symptomenkomplex und die Liquordiagnostik. Bakteriolog. Arbeiten galten der Kultur der Gonokokken und anderen Mikroorganismen.

W.: Über den Nachweis der Spirochaeta pallida im syphilit. Gewebe, gem. mit G. Scherber, in: Wr. klin. Ws., Jg. 19, 1906; Zur Technik der Spirochätenuntersuchung, gem. mit K. Landsteiner, ebenda, Jg. 19, 1906; Zur Biol. und Differentialdiagnose des Gonococcus und seiner Verwandten, gem. mit A. Ghon und R. Wiesner, in: Verhh. der Dt. dermatolog. Ges. 10, 1908; Über Rectalgonorrhoe, ebenda, 10, 1908; Zur Differentialdiagnose zwischen Lues und Tuberkulose bei ulzerösen Prozessen, in: Archiv für Dermatol. und Syphilis, Bd. 89, 1908; Über den Nachweis der Spirochaeta pallida im Dunkelfelde, in: Med. Klinik, 1908; Die Gonorrhoe der Mundhöhle, in: Hdb. der Geschlechtskrankheiten, hrsg. von E. Finger, J. Jadassohn, S. Ehrmann und S. Groß, Bd. 2, 1911; Die Gonorrhoe des Rektums, ebenda, Bd. 2, 1911; Über atyp. Formen des Erythema induratum (Bazin) und seine Beziehungen zur Tuberkulose, in: Archiv für Dermatol. und Syphilis, Bd. 107, 1911; Über die Behandlung mit Ehrlich-Hata-Präparaten, in: Ärztliche Reformztg., 1911, n. 1; Die Raynaudsche Krankheit, in: Hdb. der Haut- und Geschlechtskrankheiten, hrsg. von J. Jadassohn, Bd. 6, Tl. 2, 1928; Nekrosen, Gangrän, Geschwüre, ebenda, Bd. 6, Tl. 2, 1928; Der variköse Symptomenkomplex, gem. mit F. Mras, ebenda, Bd. 6, Tl. 2, 1928; Klin. Wertung der Liquoruntersuchung, gem. mit K. Platzer, ebenda, Bd. 17, Tl. 1, 1929; Pyodermien, in: Die Haut- und Geschlechtskrankheiten, hrsg. von L. Arzt und K. Zieler, Bd. 3, 1934, etc.
L.: Feierl. Inauguration, 1932/33; Wr. klin. Ws., Jg. 46, 1933, S. 794 f.; WMW, Jg. 83, 1933, S. 742 f.; Dermatolog. Ws., Jg. 97, 1933, S. 1173 f.; Mitt. des Wr. akad. Turnver. 32, 1933, H. 3–5; Ärztliche Reformztg. 35, 1933, F. 12; Fischer; Pagel; Kürschner, Gel. Kal., 1928/29–31; Jb. der Wr. Ges., 1929; H. Partisch, Österreicher aus sudetendt. Stamme, Bd. 3, 1966, S. 144; Lesky, S. 575; Mitt. W. Speiser, Wien.
(M. Jantsch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 30, 1975), S. 402
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