Müller, Hans; Ps. Müller-Einigen (1882-1950), Schriftsteller, Dramaturg und Übersetzer

Müller Hans, Ps. Müller-Einigen, Schriftsteller, Dramaturg und Übersetzer. * Brünn, 25. 10. 1882; † Einigen a. Thunersee, Kt. Bern (Schweiz), 8. 3. 1950. Stud. an den Univ. Wien (1907 Dr. jur.), Grenoble und Leipzig Phil. und Jus. M., der in Wien auf literar. Gebiet entscheidende Bildungswerte empfangen hatte, trat bereits 18jährig als Schriftsteller vor die Öffentlichkeit. Seine zahlreichen Bühnenwerke erwiesen sich als sehr einträglich. Vom Theater führte M.s Berufsweg zum Film und damit weit über Österr. hinaus. Nach seiner Tätigkeit als Chefdramaturg der UFA und von Metro-Goldwyn-Mayer erhielt er als einer der ersten europ. Drehbuchautoren 1928 eine Berufung nach Hollywood. 1931 wählte er Einigen zu seinem ständigen Wohnort, behielt aber zu Wien zeitlebens eine starke innere Beziehung, die auch seine Jugenderinnerungen bezeugen. M. erfaßte schon am Beginn seines Schaffens die Hauptfaktoren des schriftsteller. Erfolges in Stoffwahl und Gestaltung. Wie bereits in den ersten Versdichtungen M.s Sinn für Sprachschönheit zur Geltung kam, so bewährte er seine Begabung für wirksame Dialektik in allen späteren, größtenteils auf breite Publikumswirkung abgestellten Arbeiten. Sein dramaturg. Geschick wurde von der Kritik durchwegs anerkannt. Ungemein anpassungsfähig, vermochte M. die Zartheit lyr. Stimmungen ebenso glaubhaft zu machen wie den pathet. Patriotismus zu Beginn des Ersten Weltkrieges. M., der mit seinen Theaterstücken, Drehbüchern, Novellenbänden und Feuilletons im In- und Ausland sehr bekannt geworden war, wandte sich in der letzten Phase seines Schaffens den Gegebenheiten in Natur und Menschenleben in verinnerlicht-gedankenvoller Betrachtung zu und gab eine gläubige Weltsicht zu erkennen.

W.: Violanta (Opernlibretto), 1916; Die Kunst, sich zu freuen (Skizze), 1917; Das Wunder der Heliane (Opernlibretto), 1927; Im Weißen Rößl (musikal. Bühnenspiel), 1930; Der reichste Mann der Welt (musikal. Lustspiel), 1936; Geliebte Erde. Miniatur von unterwegs, 1938; Das Glück, da zu sein (Tagebuch), 1940, 2. Aufl. 1947; Schnupf (Roman), 1944, 2. Aufl. 1949; Jugend in Wien (Roman), 1945, 2. Aufl. 1948. Dramen: Das andere Leben (Einakterzyklus), 1900; Das Wunder des Beatus, 1910; Gesinnung (Komödienzyklus), 1912; Die blaue Küste, 1914; Kge., 1915; Der Schöpfer, 1918, Neufassung, 1942; Flamme, 1920, Neuaufl. 1946; Der Vampyr, 1922; Veronika, 1926; Große Woche in Baden-Baden, 1929; Kleiner Walzer in a-Moll, 1935; Eugenie, 1938, engl. 1948; Der Kampf ums Licht, 1942; Der Helfer Gottes, 1947; Narr des Herzens, 1950; etc. Novellen; Gedichte.
L.: National-Ztg. (Basel), 1950, n. 119; Wr. Ztg. vom 10. 3. und Neue Wr. Tagesztg. vom 11. 3. 1950; Die Presse vom 10. 3. 1950 und 26. 10. 1952; Neues Österr. vom 25. 10. 1952; Rathaus-Korrespondenz vom 7. 3. 1960; Amtsbl. der Stadt Wien vom 16. 3. 1961; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; F. Jaksch, Lex. sudetendt. Schriftsteller, 1929; H. Kindermann, Wegweiser durch die moderne Literatur in Österr., 1954, S. 87; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Kürschner, 1973; Maderno; J. Nadler, Literaturgeschichte der dt. Stämme und Landschaften, 4. Aufl., Bd. 4, S. 886; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 4, s. Reg.; M. Salzer, Illustrierte Geschichte der dt. Literatur, Bd. 4, 1932, S. 1641; R. Wolkan, Geschichte der dt. Literatur in Böhmen und in den Sudetenländern, 1925, s. Reg.; Kosel; Wininger; Jew. Enc.; Jüd. Lex.; Jb. der Wr. Ges., 1928–29; Wer ist wer?; Österreicher der Gegenwart, bearb. von R. Teichl, 1951; Wer ist’s? 1908–35; Masaryk; Otto, Erg.Bd. IV/1.
(V. Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 30, 1975), S. 417
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