Müller, Richard (1843-1915), Namenforscher und Bibliothekar

Müller Richard, Namenforscher und Bibliothekar. * Wien, 30. 4. 1843; † Wien, 7. 7. 1915. Sohn eines Bibliothekars; stud. am Schottengymn. in Wien, wo der Mundartkenner und -forscher Mareta (s. d.) sein Interesse für Dialektol. und Onomastik weckte. Anschließend stud. M. an den Univ. Wien und Czernowitz (1879 Dr. phil.) Sprachen. Trotz eines angeborenen Ohrenleidens, das ihn im Lauf der Jahre zu absoluter Taubheit verurteilte, widmete sich M. neben seiner beruflichen Tätigkeit an der Bibl. der Albertina intensiven namenkundlichen Stud. In seinen namenkundlichen Veröff., welche vor allem vom Ver. für Landeskde. von NÖ und vom Wr. Altertumsver. publ. wurden, befaßte sich M. vor allem mit dem Raum von Wien und NÖ. Gemessen am heutigen Stand der namenkundlichen Forschung sind M.s Untersuchungen, die immer auf wiss. Grundlagen aufbauten, nicht mehr aktuell, ihr wegbereitender und bahnbrechender Einfluß ist jedoch anzuerkennen.

W.: Altösterr. Leben aus Ortsnamen, in: Bll. des Ver. für Landeskde. von NÖ, NF 18, 1884; Weitere Prolegomena zur altösterr. Ortsnamenkde., ebenda, NF 18, 1884; Neue Vorarbeiten zur altösterr. Ortsnamenkde., ebenda, NF 20–24, 1886–90, 34, 1900; Vorarbeiten zur altösterr. Namenkde. Zur Geschichte der slav.-dt. Laut- und Formenlehre, ebenda, NF 25–27, 1891–93; Der Name Wien, in: Geschichte der Stadt Wien, Bd. 1, 1897; Topograph. Benennungen und räumliche Entwickelung, ebenda, Bd. 1, 1897; Wiens räumliche Entwickelung und topograph. Benennungen . . ., ebenda, Bd. 2–4, 1900–11; Wiens höf. und bürgerliches Leben im ausgehenden Mittelalter, ebenda, Bd. 3/2, 1907; etc.
L.: RP vom 29. 4. 1913 und 9. 7. 1915; N. Fr. Pr. vom 29. 4. 1913 und 9. 7. 1915; Wr. Ztg. vom 8. 7. 1915; Monatsbl. des Altertumsver. zu Wien, Jg. 32, 1915, S. 160; Kosel; Wer ist’s? 1905–14; Groner.
(M. Hornung)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 30, 1975), S. 425
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>