Münz, Bernhard (1856-1919), Bibliothekar und Philosoph

Münz Bernhard, Bibliothekar und Philosoph. * Leipnik (Lipník, Mähren), 1. 2. 1856; † Wien, 17. 12. 1919. Bruder des Folgenden; stud. ab 1873 exakte Phil. und klass. Philol. an den Univ. Wien (1877 Dr. phil.), Innsbruck und München. Nach kurzer Tätigkeit an der Univ. Bibl. Graz wurde er 1889 Amanuensis an der Bibl. der Israelit. Kultusgemeinde in Wien, 1903 deren Leiter. M., der von J. Frohschammer beeinflußt war, widmete sich in seinen Stud. anfangs der antiken Phil., später aber phil.-literar. Untersuchungen der Neuzeit. Bes. Verdienste erwarb er sich um das Zustandekommen der ersten jüd. Nationalbiographie (Winiger), deren Red.Komitee er ab 1915 angehörte. M. wird oft mit dem Journalisten Bernhard M. (* 2. 6. 1857; †13. 3. 1921) verwechselt. Polit. Red. des „Neuen Wiener Tagblattes“, war dieser Vizepräs. des Journalisten- und Schriftsteller-Ver. Concordia und wirkte verdienstvoll für den Aufbau der Witwen- und Waisenversorgung dieser Vereinigung.

W.: Die Keime der Erkenntnistheorie in der vorsophist. Periode der griech. Phil., 1880; Die Erkenntnis- und Sensationstheorie des Protagoras, 1880; J. Frohschammer, der Philosoph der Weltphantasie, 1894; M. E. Delle Grazie als Dichterin und Denkerin, 1902; Literar. Physiognomien, 1903; Goethe als Erzieher, 1904; F. Hebbel als Denker, 1906, 2. Aufl. 1907; Ibsen als Erzieher, 1908; Shakespeare als Philosoph, in: Anglia, Bd. 42, 1918; etc. Hrsg.: Briefe von und über J. Frohschammer, 1897.
L.: Wr. Ztg. vom 19. 12., N. Fr. Pr. vom 20. 12. 1919; Eisler; Ziegenfuß; Eisenberg, 1893, Bd. 1; F. Jaksch, Lex. sudetendt. Schriftsteller, 1929; Kosel; Wininger; Jew. Enc.; Jüd. Lex.; Wer ist’s? 1905–14; UA Wien. Bernhard M. (* 1857): N. Wr. Tagbl. vom 14. 3., Bohemia vom 15. 3. 1921; Eisenberg, 1893, Bd. 1; F. Jaksch, Lex. sudetendt. Schriftsteller, 1929; Kosel; UA Wien.
(Red.)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 30, 1975), S. 436f.
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