Nagiller, Matthäus (1815-1874), Komponist und Kapellmeister

Nagiller Matthäus, Komponist und Kapellmeister. * Münster (Tirol), 24. 10. 1815; † Innsbruck, 8. 7. 1874. Sohn eines Bauern; empfing den ersten Musikunterricht vom Chorregenten Pichler in Schwaz, war bereits vor 1834 Schullehrer in Telfs, ging dann nach Innsbruck und stud. 1834–36 Musiktheorie bei Goller. 1837 begab er sich nach Wien und wurde Kompositionsschüler von Preyer am Konservatorium. 1840 wurde er mit dem Ersten Kompositionspreis ausgezeichnet. 1842 übersiedelte N. nach Paris und unterrichtete nach einer von ihm erfundenen Methode mit so großem Erfolg Musiktheorie, daß er als Prof. an das Konservatorium berufen wurde. Er begründete den Mozart-Ver., einen dt. Gesangver., mit dem er Konzerte veranstaltete. Aufsehen erregte die Aufführung seiner 1. Symphonie. 1846/47 unternahm er eine Konzertreise nach Köln, Frankfurt a. Main, Leipzig, Berlin und Hamburg, wo seine Kompositionen mit großer Anerkennung aufgenommen wurden. Die Februarrevolution 1848 setzte seiner Tätigkeit in Paris und dem Mozart-Ver. ein Ende. Die folgenden Jahre scheint er auf Konzertreisen verbracht zu haben. 1852–54 leitete N. die Hauskapelle des Franz Frh. v. Goldegg in Partschins b. Meran. 1854–61 hielt er sich meist in München auf, komponierte neue Werke, konnte aber trotz anerkennender Kritiken seiner Konzerte, weder hier noch in Salzburg (Bewerbung als Dir. des Dom-Musikver. und Mozarteum) noch in Coburg (wo ihm der Herzog die Goldene Medaille für Kunst und Wiss. verliehen hatte), eine feste Anstellung finden. Endlich wurde N. 1862 Kapellmeister des Musikver. in Bozen (auch Chormeister der Liedertafel) und ging 1866 in gleicher Stellung nach Innsbruck, wo er sich insbes. als Veranstalter der Tiroler Musikfeste, bei denen Oratorien mit Kräften aus dem ganzen Land aufgeführt wurden, verdient machte. N. war ein Epigone der Klassik, in dessen Kompositionen lyr. Züge hervortraten. Seine aufsehenerregenden Anfangserfolge ließen Größeres erwarten, als er in der Folgezeit zu leisten imstande war. Ein bes. Anliegen war ihm die Kirchenmusik, für deren Hebung er sich einsetzte. Vor allem seine „Landmessen“ erfreuten sich großer Verbreitung und wurden bis zur Mitte des 20. Jh. aufgeführt.

W.: Landmessen, 1853–60; 2 Offertorien, 1853–64; mehrere Tantum ergo; Predigtgesänge; Festmesse, Offertorien, Marienlieder etc., alles Manuskripte; Lieder für eine oder zwei Singstimmen mit Klavierbegleitung und Männerchöre; 3 Symphonien (n. 3: Erinnerung an Tirol, verschollen); 2 Ouvertüren; Märsche, u. a. für Harmoniemusik (verschollen). Opern: Kom. Oper, ca. 1834 (verschollen); Melusine, 1850–54, Text nach F. Grillparzer (unvollendet); Herzog Friedrich mit der leeren Tasche, 1853–56, Text nach E. Ille; Nausikaa, 1854–57, Text nach A. Widmann.
L.: Allg. Ztg. (Augsburg) vom 15. 7. 1874; Tiroler Anzeiger vom 8. 7. 1924; Bote für Tirol vom 16. 9. 1949 (Kulturberr. aus Tirol 21/22); Tiroler Nachr. und Tiroler Tagesztg. vom 23. 10. 1965; R. Sinwel, Zwei Unterinntaler Tonmeister, in: Tiroler Heimatbll. 2, 1924, H. 6; Südtiroler Volkskultur, 1973, S. 173; Die Musik in Geschichte und Gegenwart; Gallerie berühmter Pädagogen . . . und Komponisten aus der Gegenwart, hrsg. von J. Haindl, 1859, H. 7, S. 50; Kosch, Theaterlex.; Riemann; Tyroler Ehrenkranz, hrsg. von A. Lanner, 1925; Wurzbach; ADB.
(W. Senn)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 31, 1976), S. 19f.
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