Nagy von Alsószopor, Ladislaus Frh. (1803-1872), Feldzeugmeister

Nagy von Alsószopor Ladislaus Frh., General. * Vukovar (Syrmien), 23. 6. 1803; † Graz, 23. 9. 1872. Vetter des Vorigen; absolv. 1816–23 die Theres.Milit.Akad., aus der er als Lt. zum Feldjägerbaon. 11 ausgemustert wurde. 1824 war er bei der Armee in Neapel eingeteilt, 1828–30 arbeitete er in Dalmatien und 1830/31 in Kroatien bei der Mappierung. 1831 war er in Verwendung beim Hofkriegsratspräs. Gen. I. Gf. Gyulai (s. d.), 1832 ging er als Adj. des GM K. Gf. Clam-Martinic in diplomat. Mission nach Berlin. 1835 war er dem Gen.Quartiermeisterstab zugeteilt, machte 1836–39 die Operationen des Okkupationskorps in der Romagna mit, 1839 wurde er als Mjr. zum Gen.Stabschef des 2. Armeekorps in Verona ernannt und erwarb sich das bes. Vertrauen Radetzkys. 1841–44 war N. mit der Leitung von Vermessungsarbeiten im Kirchenstaat und in der Toskana betraut und leistete äußerst wertvolle kartograph. Arbeiten; 1845 Gen.Stabschef des l. Armeekorps in der Lombardei. In den folgenden Jahren bis zum Ausbruch der Revolution befaßte sich N. mit operativen Stud. und mit Fragen des Befestigungswesens; 1848 Obst. Den Feld zug von 1848/49 machte N. zunächst in der Lombardei mit, ab April 1849 war er als Gen.Stabschef bei der in der Romagna operierenden Armee eingeteilt, wo er sich bes. bei der Belagerung und Einnahme von Bologna und Ancona auszeichnete. Nach dem Feldzug war N. (1849 GM) Gen. Stabschef der 1. Armee in Wien, 1852–54 war er Kmdt. der zur Ausbildung der Gen.Stabsoff. neu errichteten Kriegsschule, 1853 arbeitete er als Stellvertreter des Chefs des Gen.Quartiermeisterstabes, FM Frh. v. Hess (s. d.), den Operationsplan für die Besetzung der Donaufürstentümer aus. N. wirkte dann als Dir. sämtlicher Landesbeschreibungsarbeiten, 1857 wurde er zum Chef der II. Sektion des Armeeoberkmdo. ernannt und FML. Während des Feldzuges von 1859 war er als Stellvertreter des Gouverneurs in Dalmatien mit der Sicherung der österr. Adriaküste betraut. Nach dem Krieg wirkte N. wieder im Armeeoberkmdo. bzw. im Kriegsmin., wo er maßgeblichen Anteil an allen Arbeiten zur Heeresorganisation, Reichsbefestigung und für die Mobilisierungsvorbereitungen bzw. Aufmarschplanungen hatte. 1861–64 leitete N. schließlich den Gen.-Quartiermeisterstab. 1864 wurde er zum Festungskmdt. in Theresienstadt ernannt, 1865 trat er als FZM ad honores i. R. 1866 führte N. den Vorsitz in der mit der Untersuchung der Armeeführung in Böhmen betrauten Komm., die in Wr. Neustadt amtierte. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1854 Frh., 1859 Geh.Rat, 1860 Obst. Inhaber des IR 70.

W.: Ideen über tragbare Tag- und Nacht-Telegraphen zum Feldgebrauche, in: Streffleur, 1828, Bd. 1; Malariakarte von Mittelitalien, 1842; Sanitäts- und Fieberkarte der Österr. Monarchie, 1858; Bemerkungen über den Feldzug der k. k. Nord-Armee 1866, in: Streffleur, 1867, Bd. 2; Österr. Verhältnisse zu Rußland und zur europ. Türkei aus militär. und speciell österr. Gesichtspunkte betrachtet, in: Mitt. des k. k. KA, Jg. 3, 1878.
L.: Streffleur, 1872, Bd. 4, S. 190 ff.; Svoboda, Bd. 1, S. 461 ff.; ADB; Révai; Szinnyei; I. Nagy, Magyarország családai . . . (Ungarns Familien . . .), Bd. 8, 1861, S. 41; Geschichte des k. u. k. Peterwardeiner IR n. 70, Tl. 3/4, 1898, S. 57 ff.; W. Wagner, Geschichte des k. k. Kriegsmin., Bd. 1, in: Stud. zur Geschichte der Österr.-ung, Monarchie, Bd. 5, 1966, s. Reg.; M. Rauchensteiner, Zum „operativen Denken“ in Österr. 1814–1914. Der „schulmäßige“ Aufmarsch, in: Österr. militär. Z., Jg. 12, 1974, S. 285 ff.; KA Wien; Mitt. K. Benda, Budapest.
(R. Egger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 31, 1976), S. 26
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