Netzer, Johann Josef (1808-1864), Komponist und Dirigent

Netzer Johann Josef, Komponist und Dirigent. * Zams (Tirol), 18. 3. 1808; † Graz, 28. 5. 1864. Sohn eines Lehrers, Organisten und Mesners; erlernte Klavier und Orgel zunächst durch Selbststud. Nach dem Wunsch seiner Eltern sollte er Geistlicher werden, kam 1821 an das Gymn. in Innsbruck und besuchte gleichzeitig die Schule des Musikver., wo er bald selbst unterrichtete. Ca. 1827 kam N. nach Wien, stud. kurze Zeit an der Univ. Phil. und widmete sich dann ganz der Musik. Zunächst Schüler Joh. Bapt. Gänsbachers (s. d.), nahm er 1831–36 Unterricht bei Sechter und war u. a. mit Schubert befreundet. Sein erstes Konzert mit eigenen Kompositionen, 1838 im Hofoperntheater, war ein solcher Erfolg, daß bald darauf ein zweites folgte (Uraufführung der Symphonie in E-Dur). In Wien wurde N. ausübendes Mitgl. der Ges. der Musikfreunde (Leiter der Übungen des Konservatoriums, Mitgl. des Komitees der Gesellschaftskonzerte). Während seine beiden ersten Opern in Wien nicht zur Aufführung gelangten, hatte er mit der Oper „Mara“ (Uraufführung 1841) großen Erfolg. Die Bekanntschaft mit dem Textdichter O. Prechtler hatte Grillparzer (s. d.) vermittelt. 1842 unternahm N. eine Konzertreise und erreichte, daß „Mara“ an zahlreichen Opernhäusern aufgeführt wurde. Mitte der 40er Jahre war er neben Lortzing Kapellmeister am Stadttheater in Leipzig und leitete zugleich die Konzerte des Musikver. Euterpe. Nach Wien zurückgekehrt, betätigte sich N. bis 1846 als Kapellmeister am Theater a. d. Wien und widmete sich dann nur seinen kompositor. Arbeiten. 1849/50 war er Kapellmeister des Stadttheaters in Mainz, vorübergehend auch dessen Dir., und hielt sich dann wieder in Leipzig auf. 1853/54 wirkte er am Ständ. Theater in Graz, 1853–61 als gefeierter Kapellmeister des Musikver. für Stmk. und 1854–64 als Chormeister des Grazer Männergesangver. N. wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Ehrenmitgl. der Ges. der Musikfreunde in Wien, des Innsbrucker Musikver., des Steiermärk. Musikver. etc. Sein nicht mehr vollständiger musikal. Nachlaß kam in das Tiroler Landesmus. Ferdinandeum in Innsbruck.

W.: 2 Messen; Offertorien; Gradualien; Germania, Hymne für Männerchor, Soloquartett und Orchester; Weiß-Grün, Festchor für Solo, Chor und Orchester; ca. 100 Lieder mit Klavierbegleitung, Männerchöre und gemischte Chöre; 2 Konzertouvertüren; 5 Symphonien; 5 Streichquartette; Trio; Klavierkompositionen; etc. Opern: Die Belagerung von Gothenburg, ca. 1838, Text von E. Straube; Die seltsame Hochzeit, 1839/40, Text nach A. E. Scribe und J. N. Bouilly; Mara, 1840, Die Kgn. von Kastilien, 1840, Text für beide von O. Prechtler; Stella, die Tochter des Schmugglers, 1852, Text von A. Schrader.
L.: N. Fr. Pr. vom 17. 3. 1908; Mitt. des Steir. Tonkünstlerbundes, n. 50, 1971, S. 3 ff.; J. Keßler, J. N. Eine biograph. Skizze, 1865; C. Fischnaler, Beitrr. zur Biographie J. N.s, in: Festschrift des Tiroler Sängerbundes, 1898, S. 20 f.; W. Suppan, Steier. Musiklex., in: Beitrr. zur steir. Musikforschung 1, 1962–66; Frank–Altmann; Riemann; Kosch, Theaterlex.; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland.
(W. Senn)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 31, 1976), S. 78
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