Neubauer, Josef (1849-1924), Seelsorger und Sozialarbeiter

Neubauer Josef, Seelsorger und Sozialarbeiter. * Graz-Mariatrost, 21. 1. 1849; † Graz, 1. 1. 1924. Sohn eines Kleinhäuslers; war nach der Priesterweihe (1871) Kaplan in Weizberg, Kapfenberg (wo er ein Lehr- und Erziehungsinst. für Landmädchen im Schloß Spiegelfeld, Mürztal, gründete) und Graz-St. Andrä. 1879 Dr. theol. 1887–90 Religionslehrer, dann Religionsprof. an der Staats-Realschule in Graz; kurze Zeit Supplent der Fundamentaltheol. an der Univ. Graz. 1896 Mitgl. des Seckauer Domkapitels, 1916 infulierter Domkustos, 1920 Domdechant; 1918–21 auch Dompfarrer. N. war immer caritativ und sozial tätig. Er war mehrere Jahre Leiter des Paulus-Ver. in Graz und des Knaben-Waisenhauses Paulinum, wo ihm die Errichtung einer Bürgerschule neben der schon bestehenden Volksschule gelang. Er war der Gründer des kath. Arbeiterver. (ab 1896 Verband der nichtpolit. Vereinigungen kath. Arbeiter in der Diözese Seckau) und des Caritasverbandes in Graz, des kath. Ver. für Kinderfreunde in der Stmk. sowie Landesdir. des Werkes des Hl. Philipp Neri, das junge Fabriksarbeiterinnen betreute. Unter N.s Leitung wurde das kath. Arbeiterheim in der Keplerstr. in Graz erbaut (1894 eröffnet), 1898 erfolgte die Umwandlung des auf seinen Namen grundbücherlich eingetragenen Heimes in die K.-Jubiläums-Stiftung. 1908 stiftete er in Mariatrost ein Mädchen-Waisenhaus (heute Bildungshaus der Diözese Graz-Seckau) und eine landwirtschaftliche Haushaltungsschule im nahe gelegenen Tannhof (St. Josefsgut). Diese Stiftung wurde erst nach seinem Tod realisiert.

W.: mehrere Abhh. sozialen und caritativen Inhalts in Wahrheitsfreund, Sonntagsbote und Grazer Volksbl. Hrsg.: Arbeiterkalender für das kath. Österr., 1895 ff.; Charitas-Kalender für die Katholiken dt. Zunge, 1896 ff.
L.: Grazer Volksbl. vom 2. und 5. 1. 1924; F. Oer, Fürstbischof J. B. Zwerger v. Seckau, 1897, S. 424; A. Grießl, Geschichte des Seckauer Diözesanpriesterhauses, 1906, S. 163.
(K. Klamminger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 31, 1976), S. 79f.
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