Oberdank, Wilhelm; Oberdan Guglielmo (1858-1882), Politiker

Oberdank Wilhelm, Politiker. * Triest, 1. 2. 1858; † Triest, 20. 12. 1882. Nannte sich Guglielmo Oberdan; unehelicher Sohn einer slowen. Hausangestellten; besuchte 1869–77 die Scuola Reale Superiore in Triest. Durch Stud.Kollegen und Freunde kam er in die Kreise der Patrioten des partito d’azione italiano, wodurch in ihm jene mazzin. und garibaldin. Ideen vertieft wurden, die – mit Unversöhnlichkeit und Aggressivität verbunden – ihn schließlich dazu brachten, die radikalste Tendenz des „irredentismo giuliano“ zu symbolisieren. Ab 1877 stud. O., der das Lehramt an techn. Schulen anstrebte, mit einem Stipendium der Gemeinde Triest an der Techn. Hochschule in Wien Mathematik. 1878 wurde er ausgemustert und rückte zum IR 22 ein. Nach zehn Tagen desertierte er bereits und flüchtete nach Rom, wo er bis 1881 sein Stud. fortsetzte und regen Anteil an der polit. Aktivität der emigrierten Irredentisten nahm. Die Kundgebungen, die im Sommer 1882 von den österr. Behörden zum Gedenken des 500. Jahrestages der Zusammengehörigkeit Triests mit Österr. veranstaltet wurden, riefen in den irredentist. Kreisen auf beiden Seiten der Grenze eine starke Erregung hervor. Eine erste gewalttätige Reaktion, an der sich O. später unbeteiligt erklärte, erfolgte am 2. 8. durch den Bombenwurf gegen einen Zug österr. Veteranen in Triest. Als bekannt wurde, daß K. Franz Joseph (s. d.) im September Triest besuchen wolle, reiste O. am 14. 9., mit Bomben bewaffnet und von dem Istrianer D. Ragosa begleitet, von Rom nach Triest. Die Umstände sollten über die Art des Protestes entscheiden; tatsächlich sollte nicht unbedingt ein Anschlag auf das Leben des K. verübt werden, doch war ein Attentat nicht ausgeschlossen. Der Plan wurde den österr. Behörden bekannt und O. am 16. 9. in Ronchi verhaftet. Das Selbstankläger. Auftreten O.s in den zahlreichen Verhören enthüllte einen festen Opferwillen. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt und das Gnadengesuch der Mutter abgewiesen. So wurde er zum Märtyrer der irredentist. Sache, wie er es angestrebt hatte.

L.: F. Salata, G. O. secondo gli atti segreti del processo, carteggi diplomatici e altri documenti inediti, 1924; A. Scocchi, G. O. tra maestri, amici e compagni a Trieste e a Vienna, 1926; C. Gatterer, Erbfeindschaft Italien–Österr., 1972, S. 13 ff.
(E. Maserati)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 32, 1976), S. 184
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>