Oberkamp (Obercamp), P. Rudolf Frh. von; früher Braun (1825-1905), Jurist und Seelsorger

Oberkamp (Obercamp) P. Rudolf Frh. von, SJ, Jurist und Seelsorger. * Karlsruhe (Baden-Württemberg), 24. 1. 1825; † Wien, 8. 5. 1905. Ursprünglicher Name Braun, Stiefsohn des kgl. bayer. w. Geh.Rats und Bundestagsgesandten Karl A. Frh. v. O., der ihn adoptierte. 1848 bestand O. als Jurist den bayer. Staatskonkurs und praktizierte zwei Jahre in einem Amt in München. 1850 begann er das Stud. der kath. Theol., 1853 Priesterweihe. 1861 wurde er Assessor am Metropolitangericht in München, 1863 päpstlicher Geheimkämmerer, 1865 Metropolitan-Gerichtsrat und 1868 Domkapitular. Als Kirchenrechtler war O. sehr geschätzt und spielte im Kulturkampf eine bedeutende Rolle als geistlicher und rechtlicher Berater der dt. Katholikenführer. Zur allg. Überraschung suchte er im Alter von 58 Jahren um Aufnahme in die österr. Ordensprovinz des Jesuitenordens an. Nachdem er mehrmals abgelehnt worden war, begann er 1883 in Tyrnau (Slowakei) das Noviziat. Während der 23 Jahre seines Ordenslebens wurde O. trotz seiner jurid. Vorbildung und Erfahrung nur pastorell eingesetzt. In Innsbruck, Kalocsa (Ungarn), Tyrnau, Mariaschein (Böhmen) und Wien bewährte er sich als sehr beliebter Spiritual, Beichtvater, Prediger, Kongregationspräses und Exerzitienleiter.

W.: Der Hl. Alfons Rodriguez. Nach dem Französ., 1899; Beitrr. in Hist.-polit. Bll., Köln. Volksztg., Z. für kath. Theol., Sodalen-Correspondenz.
L.: Nachr. der Österr.-ung. Provinz SJ, 1905, S. 117 ff.; Kosch, Das kath. Deutschland; E. Ringseis, Erinnerungen des Dr. J. Nep. v. Ringseis, 1886, s. Reg,
(A. Pinsker)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 32, 1976), S. 186
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