Obersteiner, Heinrich (1847-1922), Neurologe

Obersteiner Heinrich, Neurologe. * Wien, 13. 11. 1847; † Wien, 19. 11. 1922. Sohn Heinrich O.s (* Wien, 13. 7. 1820; † Wien, 25. 1. 1891, 1844 Dr. med.), der gem. mit Leidesdorf (s. d.) die Goergensche Privatirrenanstalt in Wien-Oberdöbling leitete; stud. 1865–70 an der Univ. Wien Med., 1870 Dr. med., 1871 Dr. chir., 1873 Priv.-Doz. für Physiol. und Pathol. des Gehirns, 1880 ao. Prof., 1898 tit. o. Prof. der Anatomie und Pathol. des Nervensystems an der Univ. Wien. 1906 Hofrat, 1919 i. R. O. gründete 1882 das Univ.Inst. für Anatomie und Physiol. des Zentralnervensystems, ab 1900 Neurolog. Inst., mit morpholog. Hirnforschung als Schwerpunkt (normale, vergleichende und patholog. Anatomie sowie Physiol. des Nervensystems). O., der gem. mit Redlich die tab. Hinterstrangsdegeneration (Redlich–Obersteinersche Zone) beschrieb, entfaltete eine intensive und umfangreiche Lehrtätigkeit und bildete zahlreiche Schüler aus dem In- und Ausland heran. Er regte die Gründung von Hirnforschungsinst. in Europa und Amerika an und schenkte 1905 die Einrichtung und Smlg. seines Inst. der Univ. Wien, der er auch großzügige Geldzuwendungen machte. O. wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Vizepräs. der internationalen Brain Commission, Dr. h. c. der Univ. Oxford, Mitgl. der k. Leopoldin. Carolin. Dt.Akad. der Naturforscher in Halle und 1903 korr. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien.

W.: Beitrr. zur Kenntnis vom feineren Bau der Kleinhirnrinde . . ., 1869; Über den Status epilepticus, in: WMW, Jg. 23, 1873; Syphilis und Dementia paralytica, in: Ms. für prakt. Dermatol., 1882; Anleitung beim Stud. des Baues der nervösen Zentralorgane, 1888, 5. Aufl. 1922, auch engl., französ., italien. und russ.; Die Lehre vom Hypnotismus, 1893; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 1. 10. 1906, 17. 11. 1907, 13. 11. 1917 und 20. 11. 1922; Wr. klin. Ws., Jg. 35, 1922, S. 946, Jg. 69, 1957, S. 537 f.; Feierl. Inauguration, 1923/24; Almanach Wien, 1924; F. Seitelberger, H. O., in: Große Nervenärzte, hrsg. von K. Kolle, 1956; Fischer; Eisenberg, 1893, Bd. 2; Kosel; Groner; N. Österr. Biogr., Bd. 11, 1957; Wer ist’s? 1905–14; Schönbauer, S. 367; H. Hoff–F. Seitelberger, Die Geschichte der Wr. neurolog. Schule, in: Österr. lebt, 1955; Lesky, s. Reg.; UA Wien.
(G. Roth)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 33, 1977), S. 194
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