Olszewski, Karol Stanisław (1846-1915), Chemiker und Physiker

Olszewski Karol Stanisław, Chemiker und Physiker. * Broniszów, Bez. Tarnów (Galizien), 29. 1. 1846; † Krakau, 25. 3. 1915. Stud. 1866–70 Mathematik und Naturwiss. an der Univ. Krakau, wandte sich dann ganz der Chemie zu, 1872 setzte er seine Stud. an der Univ. Heidelberg fort. 1869 Demonstrator, 1870–72 Ass. an der Lehrkanzel für Chemie an der Univ. Krakau, 1872 Dr. phil., 1873 Habil. für Chemie, 1876 ao. Prof. für analyt. Chemie, 1888 Dir. des Chem. Inst., 1891 o. Prof. für anorgan. Chemie an der Univ. Krakau. O.s erste wiss. Arbeiten waren meist analyt. Natur, 1883 aber wandte er sich – zunächst in Zusammenarbeit mit dem soeben nach Krakau berufenen Physiker Wróblewski, später allein – der Verflüssigung der sog. permanenten Gase zu. O. leistete auf diesem Gebiet unter ungünstigsten Bedingungen, behindert durch ein überaus bescheidenes Inst.Budget und dauernde Kränklichkeit, in einem Vierteljh. bewundernswerte Arbeit. Es gelang ihm, systemat. fortschreitend und unter ständiger Verbesserung seiner Apparatur, fast sämtliche damals bekannten Gase – unter Einschluß des 1894 entdeckten Argons – zu verflüssigen, ihre Konstanten zu bestimmen und die Eigenschaften zahlreicher Substanzen bei einer für jene Zeit noch unerhört niedrigen Temperatur (–225° C) zu untersuchen. Die Arbeiten O.s bildeten die Basis, für die industrielle Anwendung der Kältetechnik, die ihren Gipfel in dem von Linde und Hampson entwickelten Gegenstromverfahren fand, stützte. Als es dann Dewar mit Hilfe dieses Verfahrens gelungen war, Wasserstoff zu verflüssigen, war es O., der jene Temperatur (Inversionspunkt) bestimmte, unterhalb welcher auch Wasserstoff beim Lindeschen Verfahren verwendet werden kann. O. war Mitgl. der Akad. der Wiss. in Krakau (1888) und der kgl. Böhm. Ges. der Wiss. (1894).

W.: Über die Verflüssigung des Sauerstoffs, Stickstoffs und Kohlenoxyds, gem. mit S. v. Wróblewski, in: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 20, 1883; Über die Dichte des flüssigen Methans sowie des verflüssigten Sauerstoffs und Stickstoffs, ebenda, Bd. 31, 1887; The Liquefaction and Solidification of Argon, in: Philosophical Transactions of the Royal Society of London, Bd. 186, 1895; Ein Versuch, das Helium zu verflüssigen, in: Bulletin International de I’Acad. des Sciences de Cracovie, math.-nat. Kl, 1896; Détermination de la température d’inversion du phénomène de Lord Kelvin de l’hydrogène, in: Anzeiger der Akad. der Wiss. in Krakau, math.-nat. Kl., 1901; Nowy przyrząd do skraplania wodoru (Ein neuer Apparat zur Verflüssigung des Wasserstoffs), in: Rozprawy Wydziału Matematyczno-Przyrodniczego Akademii Umiejętności, Ser. 3, Abt. A, Bd. 3, 1903.
L.: Czas vom 26. 1. 1888; Kosmos, Jg. 40, 1915, S. 208, Ser. B, 1933, S. 59 ff.; Berr. der Dt. Chem. Ges. 48, 1915, S. 739; Chemiker-Ztg., Bd. 39, 1915, n. 82/83; Z. für komprimierte und flüssige Gase, 1915, S. 81; Die Naturwiss., Jg. 5, 1917, S. 738 ff.; Przegląd Współczesny, 1925, n. 37, 38; Polscy badacze przyrody (Poln. Naturforscher), 1958, S. 174 ff.; Poggendorff 4–5; M. Arnim, Internationale Personalbibliographie 1800–1934, 2. Aufl., Bd. 2, 1952; Kronika Uniwersytetu Jagiellónskiego 1864–87, 1887, S. 83 ff.; J. Szpecht, Wśród fizyków polskich (Unter poln. Physikern), 1939, S. 21 ff.; T. Estreicher, O skropleniu gazów. Praca polskich uczonych (Von der Verflüssigung der Gase. Arbeiten poln. Wissenschafter), 1950; A. Birkenmajer, Jak polscy fizycy skoplili powietrze (Wie poln. Physiker die Luft verflüssigten), 1953; UA Kraków.
(Z. Kosiek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 33, 1977), S. 228f.
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