Panwitz, Friedrich Wilhelm von; Ps. Wilhelmi Friedrich  (1788-1852), Schauspieler

Panwitz Friedrich Wilhelm von, Ps. Wilhelmi Friedrich, Schauspieler. * Schlicha (Preußen), 21. 4. 1788; † Wien, 2. 5. 1852. Entstammte einer armen adeligen Familie; war zuerst im preuß. Militärdienst und wurde dann durch die Schauspielerin A. Brede dem Prager Theaterdir. Liebich (s. d.) empfohlen. Er debut. 1810 in Prag, trat zuerst in Chargen, dann in Charakter- und Intrigantenrollen auf und wurde zuetzt von Liebich, der als erster seine eigentliche Begabung für das Kom. entdeckte, in das Fach der humorist. Väterrollen eingeführt. Nach einem erfolgreichen Gastspiel wurde P. 1822 an das Hofburgtheater in Wien verpflichtet (an dem er bis zu seinem Tod blieb), wo er anfangs vor allem in Charakter- und Intrigantenrollen, dann im Lustspiel, eingesetzt wurde. Nun gelang P. der endgültige schauspieler. Durchbruch und bald galt er als der beste Lustspielvater der dt. Bühne, bes. in den Stücken Ifflands, Kotzebues und Bauernfelds (s. d.).

Hauptrollen: Gottlieb Koke (F. W. Ziegler, Parteiwut); Jago (W. Shakespeare, Othello); Claudius, Polonius (ders., Hamlet); Capulet (ders., Romeo und Julia); Angelo (G. E. Lessing, Emilia Galotti); Wachtmeister Werner (ders., Minna v. Barnhelm); Patriarch (ders., Nathan der Weise); Wurm, Präs. v. Walter (F. v. Schiller, Kabale und Liebe); Franz Moor (ders., Die Räuber); Carlos (J. W. v. Goethe, Clavigo); Fabricius (A. W. Iffland, Der Hausfrieden); Oberförster (A. v. Kotzebue, Der Besuch oder Die Sucht zu glänzen); Nachbar (ders., Der häusliche Zwist); Werder (E. v. Bauernfeld, Leichtsinn aus Liebe); Rat Blümlein (J. Franul v. Weißenthurn, Welche ist die Braut?); etc.
L.: O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der Dt. Theater, 1892; Eisenberg; Katalog der Porträt-Smlg., 1892, 1894; H. A. Mansfeld, Theaterleute in den Akten der k. k. Obersten Hoftheaterverwaltung von 1792–1867, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung, Jg. 13, 1961, S. 123; Wurzbach; ADB; A. Glassbrenner, Bilder und Träume aus Wien, Bd. 1, 1836, S. 188 f.; H. Anschütz, Erinnerungen, in: Reclams Universal-Bibl. 4108–10, 1900; E. v. Bauernfeld, Erinnerungen aus Alt-Wien, 1923, s. Reg.; H. Laube, Das Burgtheater, 1868, S. 218 ff.; O. Teuber, Geschichte des Prager Theaters, Bd. 2, 1888, S. 401, Bd. 3, 1888, S. 52, 59 f.; C. L. Costenoble, Aus dem Burgtheater, 2 Bde., 1898, s. Reg.; J. Schreyvogel, Tagebücher 1810–23, hrsg. von K. Glossy, in: Schriften der Ges. für Theatergeschichte, Bd. 2–3, 1903, s. Reg.; Rub.; 175 Jahre Burgtheater, 1954, s. Reg.; H. Kindermann, Theatergeschichte Europas, Bd. 5, 1962, Bd. 6, 1964, s. Reg.
(E. Marktl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 34, 1977), S. 317
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