Pawlik, Karel (1849-1914), Geburtshelfer und Gynäkologe

Pawlik Karel, Geburtshelfer und Gynäkologe. * Klattau (Klatovy, Böhmen), 12. 3. 1849; † Prag, 7. 9. 1914. Stud. 1867–72 an der Univ. Wien Med., 1873 Dr. med. Seine chirurg. Lehrzeit absolv. er an der Klinik Billroth (s. d.), seine Fachausbildung erhielt er unter G. Braun an der III. Frauenklinik und ab 1877 unter K. Braun-Fernwald (s. d.) an der I. Frauenklinik. 1881 Priv.Doz. für Geburtshilfe und Gynäkol. an der Univ. Wien. 1886 Vorstand der gynäkolog. Abt. der Wr. Allg. Poliklinik, 1887 o. Prof. an der Tschech. Univ. Prag. 1913 i. R. P. leistete auf dem Grenzgebiet von Gynäkol. und Urol. wichtige Beitrr. Er führte als erster die direkte Zystoskopie der mit Luft gefüllten Harnblase durch, 1881 gelang ihm die Sondierung des Ureters aus freier Hand, d. h. ohne vorbereitende Operation, er versuchte eitrige Nierenbeckenentzündungen durch lokale Spülungen mittels Metallhohlsonden zu behandeln und trat frühzeitig für die Exstirpation der Parametrien beim Zervixkarzinom ein. 1889 führte er mit glücklichem Ausgang die erste Totalexstirpation der Blase mit Einpflanzung der Ureteren und der Urethra in die Vagina durch. In einer zweiten Phase verschloß er die Vagina, so daß die Scheide als Harnrezipient fungierte. Das Trigonum Pawliki trägt seinen Namen. P. war u. a. korr. Mitgl. der Tschech. Akad. der Wiss. und Künste, 1905 Hofrat.

W.: Zwei Fälle von Sectio caesarea mit Exstirpation des Uterus, in: WMW, Jg. 29, 1879; Über das Sondieren der Ureteren der weiblichen Blase aus freier Hand ohne vorbereitende Operation, in: Centralbl. für Gynäkol. 7, 1881; Über die Operation der Blasenscheidenfisteln, in: Z. für Geburtshülfe und Gynäkol. 8, 1882; Zur Frage der Behandlung der Uteruscarcinome, in: Wr. Klinik 7, 1882; Exstirpation des Uterus und des Beckenzellgewebes, in: Internationale klin. Rundschau 3, 1889; Über Blasenexstirpation, in: WMW, Jg. 41, 1891; etc.
L.: Wr. Ztg. vom 8. und 10. 9. 1914; Časopis lékařů českých, 1909, S. 281 ff. (mit Werksverzeichnis), 1949, S. 279 ff.; Wr. klin. Ws., Jg. 27, 1914, S. 1518 f.; M. Navrátil, Almanach českých lékařů (Almanach tschech. Ärzte), 1913; Fischer; Masaryk; Otto 19, 28, Erg.Bd. IV/2; I. Fischer, Geschichte der Geburtshilfe in Wien, 1909, S. 402; Lesky, s. Reg.; H. Boeminghaus, Urol., Bd. 1, 1971, S. 483; Mitt. E. Rozsívalová, Prag.
(M. Jantsch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 34, 1977), S. 367
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