Peucker, Karl (1859-1940), Geograph und Kartograph

Peucker Karl, Geograph und Kartograph. * Bojanowo, Posen (Polen), 15. 6. 1859; † Wien, 23. 7. 1940. Sohn eines Bauinsp.; stud. Germanistik, Geschichte und Phil., hauptsächlich aber Geographie in Berlin bei Kieper und in Breslau (Wrocław) bei Partsch. 1890 Dr. phil. 1891 übersiedelte er nach Wien und trat beim Kunst- und Landkartenverlag Artaria & Co. als wiss. Leiter der Abt. für Geographie und Kartographie ein. P. begründete um 1900 die Lehre von den Raumwirkungen der Farben nach dem von ihm abgeleiteten Gesetz der adaptiv-perspektiv. Farbenplastik und stellte eine psycholog. begründete Höhenfarbenreihe auf. Nach P. hängt die Raumwirkung der Farben von ihrer Stellung im Spektrum, von ihrer Helligkeit und ihrer Sättigung ab. Aufgrund seiner Farbenraumlehre förderte er durch Anwendung der Farbenplastik insbes. die kartograph. Geländedarstellung über die Atlas-Kartographie bis zur Luftfahrt-Kartographie und zur „Internationalen Weltkarte“. Durch seine Thesen trug er zum Ausbau der theoret. Kartographie und zu deren Anerkennung als selbständige Wiss. bei, hauptsächlich durch seine Beitrr. zu einem System über Geotechnol. und Physiographik. P. arbeitete an der hypsometr. Karte von Bayern (l: 250 000) mit und wurde von Ägypten, Großbritannien, Indien, Italien und Rumänien wegen der Kartengestaltung dieser Länder konsultiert. Ab 1910 hielt er an der Exportakad. in Wien Vorlesungen über Kartenkde. 1913 wurde er Priv.Doz. für Kartenwiss. Er begründete 1922 die Arbeitsgemeinschaft Landkarte und wurde 1924 Hrsg. der Schriftenr. „Die Landkarte“. 1925 Mitgl. des Beirates für Vermess-Wesen in Österr., 1927 Ehrenmitgl. der Geograph. Ges. in Wien, 1932 Reg.Rat.

W.: Schattenplastik und Farbenplastik. Beitrr. zur Geschichte und Theorie der Geländedarstellung, 1898, Neudruck: Beitrr. zur Geschichte und Theorie der Geländedarstellung, 1970; Zur kartograph. Darstellung der dritten Dimension, in: Geograph. Z. 7, 1901; Drei Thesen zum Ausbau der theoret. Kartographie, ebenda, 8, 1902; Neue Beitrr. zur Systematik der Geotechnol., in: Mitt. der Geograph. Ges. in Wien 47, 1904; Physiographik. Entwurf einer einheitlichen Abbildungslehre der uns umgebenden Welt, ebenda, 50, 1907; Neue Bemerkungen zur Theorie und Geschichte des Kartenbildes, in: Geograph. Z. 14, 1908; Luftschiffahrtskarten, ebenda, 14, 1908; Höhenschichtenkarten. Stud. und Kritiken zur Lösung des Flugkartenproblems, in: Z. für Vermessungswesen 40, 1911; Geländekarte und Raumfarbreihen. Ihre Geschichte, Theorie und Druckpraxis, in: Mitt. der Geograph. Ges. in Wien 83, 1940; Artikel über Kartographie in Meyers Konversations-Lex., 7. Aufl. ff., 1924 ff.; etc. Red.: Kartograph. und schulgeograph. Z. 9–10, 1921–1922. Hrsg.: Die Landkarte, 1924 ff.
L.: J. Longo, Dr. K. P., in: Allg. Vermessungs-Nachrichten 52, 1940, S. 392; A. Becker, Dr. K. P., in: Unsere Heimat, NF 14, 1941, S. 42; K.-H. Meine, Erinnerungsworte und Quellen über Doz. Dr. K. P., in: Kartograph. Nachrichten 19, 1969, S. 223 ff.; Kürschner, Gel. Kal., 1925–35; W. Bonacker, Kartenmacher aller Länder und Zeiten, 1966; E. Arnberger, Hdb. der themat. Kartographie, 1966, s. Reg.; E. Arnberger–I. Kretschmer, Wesen und Aufgaben der Kartographie – Topograph. Karten, 2 Tle. (= Die Kartographie und ihre Randgebiete, hrsg. von E. Arnberger I), 1975.
(E. Bernleithner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 36, 1979), S. 19
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