Pfeifer, Julius (1864-1934), Industrieller

Pfeifer Julius, Industrieller. * Rumburg (Rumburk, Böhmen), 22. 10. 1864; † ebenda, 16. 11. 1934. Sohn des Folgenden, Neffe des Agronomen und Politikers Franz J. P. (s. d.), Cousin des Verlegers und Turnfunktionärs Heinrich P. (s. d.); nach der Matura (1882) praktizierte P. im väterlichen Unternehmen und in England. 1889 trat er mit seinem Bruder, Rudolf P. (1862–1926), als Gesellschafter in die väterliche Fa., welche in die OHG Julius P. & Söhne, Teppich-, Decken- und Möbelstoff-Fabriken, umgewandelt wurde. 1890 führte P. als erster in Österr.-Ungarn die Axminsterteppicherzeugung (Florteppich mit Chenillen als Schuß) ein. 1906 war die Fa. die zweitgrößte Teppichfabrik Österr.-Ungarns mit 700 Beschäftigten. Nach dem Ersten Weltkrieg war sie die zweitgrößte in der Tschechoslowakei. 1891 wurde P. Gemeindevertreter, 1894 Stadtrat, 1897 Reichsratsabg., 1900–19 Bürgermeister-Stellvertreter von Rumburg, 1903–09 Obmann der Bez. Vertretung. An der Errichtung des Staatsgymn. Rumburg und des städt. Elektrizitätswerkes, das P. bis 1917 verwaltete, war er wesentlich beteiligt. Er gründete und leitete 1906 den Ver. der Industriellen von Rumburg und Umgebung, den er in den Arbeitgeberverband in Reichenberg (Liberec), zu dessen Gründern er gehörte, überführte. Nach 1920 wurde er Vizepräs. des Dt. Hauptverbandes der Ind. in der Tschechoslowakei und wirkte im Präsidialausschuß des Zentralverbandes der tschechoslowak. Industriellen in Prag und des Allg. dt. Textilverbandes in Reichenberg.

L.: Rumburger Ztg. vom 31. 10. und 20. 11., Bohemia vom 17. 11. 1934; Mitt. des Ver. für Heimatkde. des Jeschken-Iser-Gaues 29, 1935, S. 39; Unser Niederland 16, 1964, S. 156; Die Großunternehmen im Dt. Reich, Bd. 7, 1944, S. 795.
(E. Marschner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 36, 1979), S. 33f.
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